Sportbund Rheinhessen setzt Strukturwandel fort: Aus Präsidium wird Aufsichtsrat
19.08.2026 – Sportbund Rheinhessen
Klaus Kuhn einstimmig gewählt
In der einstimmig beschlossenen neuen Fassung hat der Sportbund Rheinhessen kein Präsidium mehr, sondern einen Aufsichtsrat, an dessen Spitze der Aufsichtsratsvorsitzende steht. Dass die rheinhessische Sportlandschaft den Wandel voller Unterstützung mitträgt, machten die anschließenden Wahlen klar, bei denen die über 200 Delegierten aus 120 Vereinen und Verbänden den bisherigen Präsidenten Klaus Kuhn einstimmig zum Aufsichtsratsvorsitzenden wählten. Auch die weiteren fünf zu wählenden Mitglieder des Aufsichtsrats sind identisch mit dem früheren Präsidium: Ulrike Cohen, Daniel Heid, Frank Heilemann, Rainald Kauer und Till Pleuger stellten sich zur Wahl und wurden allesamt ohne Gegenstimmen gewählt. Wie bisher das Präsidium ergänzt sich auch der neue Aufsichtsrat durch den Vertreter der Nahevereine im Südwestdeutschen Fußballverband, Axel Rolland, und den Vorsitzenden der Sportjugend, Christian Hessel.
Fruchtbare Diskussionen
Vorstand Thorsten Richter hatte im Vorfeld erfolgreich für die Fortführung des Strukturwandels geworben. „Seit der vergangenen Mitgliederversammlung ist beim Sportbund Rheinhessen eine neue Zeit angebrochen. Die Satzungsänderung hat zu einer verstärkten Professionalisierung auf allen Ebenen geführt. Die Auswirkungen dieses Beschlusses spüren wir täglich durch schnelle, unbürokratische Entscheidungswege“, erklärte er in seinem als „Perspektiven aus dem Sportbund Rheinhessen“ überschriebenen Bericht. Dabei räumte er aber auch ein, „dass wir sehr viel Zeit investiert haben, die Aufgaben des Hauptamts zu schärfen, ohne genauso viel in die Aufgaben des Ehrenamts zu stecken.“ Dieser Erkenntnis folgten fruchtbare Diskussionen an deren Ende ein klares Konzept stand und der Entschluss, dem Präsidium den Namen zu geben, der seiner Aufgabenstruktur gerecht wird. „Ein Präsidium fordert Berichte, Aufgaben und Ressorts heraus. Ein Aufsichtsrat lenkt, überwacht, gibt strategische Richtlinien vor.“ Durch die Weiterentwicklung möchte der Sportbund Rheinhessen auch seinem Selbstverständnis als „unternehmerischer Dienstleister“ besser nachkommen können. Die Vereine und Verbände sollen durch Bürokratie-Entlastung und die Erschließung neuer Fördermöglichkeiten profitieren. Zudem soll die Digitalisierung vorangetrieben werden, die den Mitgliedern viele Angebote online zugänglich macht.
Neues Rollenverständnis
Unmittelbar vor der Abstimmung zur neuen Satzung erläuterte Rainald Kauer als Mitglied der AG Strukturreform noch einmal, welche Vorreiterrolle der Sportbund einnimmt. „Wir haben den Mut gehabt, Verantwortung neu zu denken und zu ordnen. Es zeigt sich aber auch, eine neue Satzung verändert nicht automatisch das Denken und Handeln aller Beteiligten. Deshalb plädieren wir ausdrücklich dafür, zukünftig den Begriff Aufsichtsrat zu verwenden, weil er das neue Rollenverständnis klarer beschreibt und den notwendigen Wandel besser verdeutlicht.“ Kauer sieht darin keinesfalls eine Schwächung des Ehrenamts. „Im Gegenteil: Es ist eine Konzentration auf die eigentliche strategische Verantwortung.“
„Eine Satzung muss leben“
Auch der Ex-Präsident und nun Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Kuhn machte klar, dass er voll und ganz hinter der Entwicklung steht. „Eine Satzung muss leben“, lautet sein Credo, mit dem er schon vor vier Jahren für die Reformen warb und das er voll und ganz umgesetzt sieht. „Eine Satzung ist kein starres Konstrukt. Sie muss sich weiterentwickeln, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern und neue Anforderungen entstehen. Die nun vorgeschlagenen Änderungen sind ein logischer, konsequenter nächster Schritt. Sie stärken unsere Handlungsfähigkeit und tragen dazu bei, den Sportbund auch künftig gut aufzustellen.“ Dies unterstrich Kuhn durch die tragende Rolle der hauptamtlichen Sportbund-Mitarbeiter, deren „hohe fachliche Kompetenz, Engagement und Dynamik“ er hervorhob. „Sie sind das Fundament unserer täglichen Arbeit und gewährleisten eine verlässliche, professionelle und serviceorientierte Unterstützung für unsere Vereine und Verbände.“
Fast 40.000 neue Mitglieder
Auch die Leistung der Vereine stellte er heraus, indem er nicht nur sportliche Erfolge benannte, sondern insbesondere auf die Mitgliederentwicklung verwies. Von den Corona-Zwängen befreit legten die rheinhessischen Vereine einen äußerst erfolgreichen Neustart hin und gewannen – unterstützt durch die landesweite Comeback-Kampagne – in den vergangenen vier Jahren fast 40.000 neue Mitglieder hinzu. Als Folge ist in 2026 die Rekordzahl von fast 310.000 Sportler*innen im Sportbund Rheinhessen gemeldet. „Dieses Ergebnis ist alles andere als selbstverständlich und zeigt eindrucksvoll, welche gesellschaftliche Kraft im Sport in Rheinhessen steckt.“
Jubel beim VfL Fürfeld
Aufgelockert wurde die Veranstaltung durch kurze Videos und zwei Talkrunden, bei denen Staatssekretär Torsten Welling Sport und Ehrenamt als Schwerpunktthemen der neuen Landesregierung einordnete, weshalb sie auch in die Staatskanzlei verschoben worden seien. Wie Richter verriet, befindet sich der Sportbund Rheinhessen nach dem gescheiterten Neubau in Ingelheim nun in fortschrittlichen Verhandlungen mit dem TSV SCHOTT Mainz, auf dessen Gelände die neue Geschäftsstelle entstehen wird. Weiterhin stellte der Vorstand gemeinsam mit Regionalmanagerin Magdalena Haag von der LAG Rheinhessen das EU-Förderprogramm „LEADER“ vor, von dem auch Sportvereine profitieren können. Werbung machte er zudem für Erste-Hilfe-Kurse in den Vereinen. Passend dazu wurden in Kooperation mit der Björn-Steiger-Stiftung auch wieder zwölf Defibrillatoren samt Schulung an die anwesenden Vereine verlost. Drei weitere Vereine durften sich über einen 250-Euro-Gutschein für Fortuna-Sportgeräte freuen. Jubel gab es auch beim VfL Fürfeld, dessen langjähriger Vorsitzender Willi Kumm mit der Ehrennadel in Gold für sein fast 35-jähriges Engagement als 1. Vorsitzender ausgezeichnet wurde.
Mitgliedsbeiträge erhöht
Der Haushaltsplan für 2026 wurde ebenso einstimmig angenommen wie Thorsten Schlüter und Michael Groß zu Rechnungsprüfern gewählt wurden. Nicht ganz einstimmig, aber mit lediglich zwei Gegenstimmen und somit überwältigender Mehrheit stimmten die Delegierten der Erhöhung der Mitgliedsbeiträge zu. Ab 2027 zahlen die Vereine statt 70 jährlich 95 Cent pro Mitglied an den Sportbund, der die erste Erhöhung seit 2014 als „notwendige Anpassung“ aufgrund der Inflation der vergangenen Jahre begründen konnte. Mit dem Geld soll auch eine neue Stelle finanziert werden, die sich ganz auf Fördermaßnahmen konzentriert und somit den Mitgliedern direkt zugute kommt. Eine solche Stelle gibt es bislang nicht im rheinland-pfälzischen Sport.
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