Kinder aus der Eifel haben keine Chance auf Olympia: Dritte Wahlarena des organisierten Sports
14.01.2026 – LSB-Pressestelle
Politik stellt sich den Fragen
„Wir wollen, dass die Themen des Sports im Wahlkampf eine Rolle spielen, Eingang in die Parteiprogramme finden und später auch in Koalitionsgesprächen berücksichtigt werden“, erklärte SBR-Präsidentin Monika Sauer. Michael Hüttner (SPD), Gordon Schnieder (CDU), Fabian Ehmann (Bündnis 90/Die Grünen), Stefan Thoma (FDP) und Stephan Wefelscheid (Freie Wähler) stellten sich den Fragen des Journalisten und Sportexperten Michael Schirp sowie denen des Publikums.
Fehlende Wasserflächen
Im Mittelpunkt der Wahlarena stand insbesondere die Schwimmsituation in Rheinland-Pfalz. Unter allen Beteiligten herrschte Einigkeit darüber, dass es im Land zu wenig Wasserflächen gebe und die Zahl der Kinder, die nicht sicher schwimmen können, dringend reduziert werden müsse. Die Landespolitiker stellten hierzu unterschiedliche Lösungsansätze vor: Michael Hüttner (SPD) sprach sich für eine Überarbeitung des Sportfördergesetzes aus, um Schwimmvereine finanziell zu entlasten. Fabian Ehmann (Bündnis 90/Die Grünen) plädierte für Erleichterungen für die Kommunen beim Bau von Lehrschwimmbecken, etwa durch einheitliche Bauverfahren, um Antrags-, Genehmigungs- und Bauprozesse zu vereinfachen. Gordon Schnieder (CDU) brachte eine gemeinsame Förderung durch Bund und Land ins Spiel, um zusätzliche Wasserflächen in Rheinland-Pfalz zu schaffen. Für den organisierten Sport könnte dieser Ansatz – insbesondere vor dem Hintergrund aktuell zugesagter Bundesprogramme wie dem „Sondervermögen“ oder der sogenannten „Sportmilliarde“ – besondere Relevanz entfalten. Dadurch könnten künftig Bau- und Sanierungsvorhaben nicht im Schwimmbereich, sondern auch für Sportstätten insgesamt ermöglicht werden, die derzeit noch nicht realisierbar sind.
"Land steht in der Pflicht"
Thematisiert wurde auch die Tatsache, dass Rheinland-Pfalz das einzige Bundesland ohne ein wettkampftaugliches 50-Meter Becken in einem Hallenbad ist. David Profit, Präsident des Deutschen Schwimmverbands, kritisierte die aus seiner Sicht fehlende Verantwortung des Landes mit deutlichen Worten: „Wer in der Eifel oder im Hunsrück geboren wird und heute sechs Jahre alt ist, hat im Grunde keine Chance, bei Olympia 2040 im Schwimmen anzutreten – unabhängig von Talent und Fleiß.“ Parteienübergreifend bestand Einigkeit darüber, dass das Land in der Pflicht stehe, ein solches Vorhaben zu unterstützen oder sogar selbst aktiv voranzutreiben.
Sanierungsbedarf bei Sportstätten
Der Veranstaltungsort selbst verdeutlichte ein weiteres zentrales Thema des Abends: Die Alte Sporthalle Neuhäusel ist sichtbar in die Jahre gekommen und wird dem Sport perspektivisch nicht mehr lange zur Verfügung stehen. Sie steht sinnbildlich für den Zustand vieler Sportstätten im Rheinland. Aus Sicht des organisierten Sports könnte ein detaillierter Sportstättenatlas hier zumindest einen Überblick schaffen und eine datenbasierte Entscheidungsgrundlage liefern.
Sport will gesehen und gehört werden
Bei der Frage nach einer eigenen, ausschließlich für den Sport zuständigen Abteilung in einem Ministerium fielen die Reaktionen der Vertreter der Landtagsfraktionen unterschiedlich aus. Fabian Ehmann (Bündnis 90/Die Grünen) erklärte, er könne sich zwar eine zentrale Ansprechperson für den Sport gut vorstellen, halte eine eigene Abteilung jedoch für schwer umsetzbar, da der Sport zahlreiche Querschnittsbereiche berühre. Michael Hüttner (SPD) zeigte sich grundsätzlich offen für eine eigene Abteilung, verwies jedoch darauf, dass diese personell ausreichend ausgestattet und mit den notwendigen Kompetenzen versehen sein müsse. Sehr konkret ist der Vorschlag von Gordon Schnieder (CDU): Nach dem Vorbild des Bundes solle ein*e Staatssekretär*in für Sport und Ehrenamt in der Staatskanzlei angesiedelt werden, um die Belange des Sports ressortübergreifend zu bündeln und seiner Bedeutung gerecht zu werden. Stefan Thoma (FDP) verwies auf aus seiner Sicht gute Gründe für die bisherige Verankerung des Sports in mehreren Ministerien und nannte die Einrichtung einer zentralen Koordinationsstelle für den Sport als einen möglichen Ansatz. Stephan Wefelscheid (Freie Wähler) sprach sich hingegen deutlich für eine eigenständige Abteilung Sport aus. Zum Abschluss der Veranstaltung wurde nochmals betont, dass der organisierte Sport erwartet, in Politik und Verwaltung stärker wahrgenommen zu werden. „Wir wollen gesehen und gehört werden“, machte SBR-Präsidentin Monika Sauer deutlich. „Denn schließlich ist der Sport mit rund 1,4 Millionen Mitgliedschaften die größte Bürgervereinigung in Rheinland-Pfalz.“
Wahlarena als neuer Ansatz
Organisiert wurde die Veranstaltung gemeinsam vom Sportbund Rheinland und dem Landessportbund Rheinland-Pfalz. Mit dem Format der Wahlarena verfolgt der organisierte Sport bewusst einen neuen Ansatz im Vorfeld von Wahlen. Nach dem Auftakt in Mainz im vergangenen Jahr und der zweiten Wahlarena in Zweibrücken folgt noch eine weitere Diskussionsrunde am 29. Januar in Mainz.
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