Kreativ an der frischen Luft unterwegs

Olympia trotz Corona? Ein aktuelles Stimmungsbild aus dem Team Tokio RLP

Wie bereiten sich die rheinland-pfälzischen Spitzensportler in Zeiten des Coronavirus auf die Olympischen Spiele vor? Wir haben uns bei einigen Assen aus dem Team Tokio RLP umgehört. Ein Stimmungsbild.

„Momentan sind wir im Grundlagenbereich, wo es nicht ganz so schlimm ist, wenn man mal nicht auf die Ringermatte kann“, berichtet Greco-Ringer Denis Kudla vom SV Alemania Nackenheim, der 2016 in Rio mit der Bronzemedaille überraschte. „Die nächsten zwei Wochen werde ich viel mit Laufen, Radfahrern und Seilspringen verbringen. Daheim wird dann auch einmal die eine oder andere Stabi-Einheit absolviert.“ Kudlas Auffassung: „In der momentanen Phase darf man nicht den Kopf hängen lassen – und nicht die Lust verlieren. Kreativität ist momentan angesagt.“

  • „Mein Training absolviere ich zum Großteil in der freien Natur sowie in meinem Heimfitnessraum, den ich mir dank der Unterstützung durch die Sporthilfe Rheinland-Pfalz sowie weitere Unterstützer habe einrichten können.“ Kai Kazmirek (LG Rhein-Wied)

Ganz ähnlich sieht es Zehnkampf-Routinier Kai Kazmirek von der LG Rhein-Wied. „Wir passen unser Training ständig den aktuellen Gegebenheiten an und versuchen das Beste aus den uns gegebenen Möglichkeiten zu machen“, erläutert der Modellathlet. „Das Wichtigste im Moment ist, dass man seine Ziele nicht aus den Augen verliert und weiter für seinen Traum kämpft.“ Kazmirek bereitet sich zusammen mit seinem Team in seiner Heimat Neuwied auf die Olympischen Spiele vor. „Mein Training absolviere ich zum Großteil in der freien Natur sowie in meinem Heimfitnessraum, den ich mir dank der Unterstützung durch die Sporthilfe Rheinland-Pfalz sowie weitere Unterstützer habe einrichten können.“

Sein deutlich jüngerer Kollege Niklas Kaul vom USC Mainz hat im Schatten des Tafelberges drei Wochen lang für die kommende Saison trainiert. In der Nähe von Kapstadt, gemeinsam mit anderen deutschen Mehrkämpfer*innen. „Im warmen Südafrika sind die Trainingsbedingungen nochmal ein bisschen besser als in Deutschland“, machte der Zehnkampf-Weltmeister im Gespräch mit SWR-Journalist Marius Zimmermann deutlich, der ihn in Südafrika besuchte. Zwei Einheiten am Tag, bis zu sechs Stunden – da weiß man am Abend, was man gemacht hat. „So ein bisschen Schmerz gehört dazu“, weiß Kaul. Dass Tokio wegen der Coronakrise auch abgesagt werden kann, hat der 22-Jährige während des strapaziösen Trainings stets im Hinterkopf. „Wenn eine Gefahr besteht für die Weltgesundheit, dann würde ich es auch verstehen können, wenn sie sagen, dass sie es verschieben“, so Kaul. „Aber wir bereiten uns momentan so vor, als wären Olympische Spiele. Und ich hoffe natürlich, dass sie auch stattfinden können.“

  • Niklas Kaul mit Deutschlandfahne nach seinem WM-Sieg 2019

    „Wenn eine Gefahr besteht für die Weltgesundheit, dann würde ich es auch verstehen können, wenn sie sagen, dass sie es verschieben.“ Niklas Kaul (USC Mainz)

    Foto: Imago Images

Viel an der frischen Luft trainiert dieser Tage auch Kauls Vereinskollege, der Speerwerfer Julian Weber. Außerdem betreibt der 1,90-Meter-Mann Eigenkörpertraining und wirft Bälle – zu denen er als Ex-Handballer ja auch eine besondere Affinität hat. „Mit ein bisschen Kreativität lässt sich auch in diesen Zeiten und auch bei Sperrung der gewohnten Trainingsmöglichkeiten ein normales bzw. ausreichendes Training durchführen.“

Karate-Weltmeister Jonathan Horne hat sich ebenfalls mit der Situation arrangiert. „Ich mache viel draußen im Wald, wo ich vermeide, eine große Menschenmenge zu treffen“, verrät das Aushängeschild des Teikyo Karate Team Kaiserslautern. „Aber ich bin auch alleine im Dojo unterwegs.“

  • Jason Osborne im Ruderboot auf dem Wasser.

    "Ob Olympia dieses Jahr nun stattfinden wird oder nicht, liegt aktuell nicht in unserer Hand – und deshalb heißt es erstmal Ruhe bewahren, aber vor allem gesund bleiben.“ Jason Osborne (Mainzer Ruder-Verein)

    Foto: Detlef Seyb

Bei Ruderer Jason Osborne vom Mainzer Ruder-Verein wird nach eigener Aussage die Vorfreude auf Olympia „momentan durch das Coronavirus ganz schön getrübt“. Osborne wörtlich: „Es ist insgesamt nicht einfach – und einfach unabsehbar.“ Nachdem am Montag fast alle Ländergrenzen abgeriegelt worden seien, sei klar, „dass wir erstmal daheim bleiben werden. Das heißt also, dass die geplanten Trainingslager im warmen Süden leider nicht stattfinden werden. Einziger Trost ist momentan der aufkommende Frühling – und die damit verbundenen wärmeren Temperaturen.“ Wie Osborne betont, sind alle drei World Cups abgesagt worden – und werden nicht ersetzt. „Es bleiben aktuell also kaum Möglichkeiten, sich vor Olympia international zu beweisen bzw. zu positionieren. Nichtsdestotrotz versuchen wir, uns von der aktuellen Situation nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und trainieren weiterhin so, als wäre Olympia unser großer Saisonhöhepunkt. Ob Olympia dieses Jahr nun stattfinden wird oder nicht, liegt aktuell nicht in unserer Hand – und deshalb heißt es erstmal Ruhe bewahren, aber vor allem gesund bleiben.“ Eine Verschiebung um ein bis zwei Jahre sei „für alle natürlich nicht sonderlich schön, doch als potenzieller Medaillenkandidat möchte ich mir diese Chance auf eine Olympia-Medaille natürlich nicht entgehen lassen.“ Eine Verschiebung würde Osborne somit in Kauf nehmen – und mit hin seine Karriereplanung ändern. Denn eigentlich hätte Tokio den Abschluss seiner Ruder-Laufbahn darstellen sollen, ehe er in den Profi-Radsport wechselt.