Sportstättenentwicklung in europäischer Perspektive: Voneinander lernen, Synergien nutzen
12.06.2026 – LSB-Pressestelle
Herausforderungen sind ähnlich
Dabei wurde deutlich, dass Luxemburg einen besonderen Schwerpunkt auf die Qualifizierung und Professionalisierung der kommunalen Sportkoordinator*innen legt. In Ostbelgien steht derweil ein stark datenbasierter Ansatz im Vordergrund, um politische Entscheidungen und Maßnahmen für Sport, Bewegung und Vereine auf eine belastbare Grundlage zu stellen. Der fachliche Austausch der Protagonist*innen zeigte, dass die Herausforderungen in den Regionen sehr ähnlich sind und ein gegenseitiges Lernen von erfolgreichen Ansätzen und Modellen großes Potenzial bietet.
Ganzheitlicher Ansatz
ISE-Leiter Stefan Henn stellte in seinem Vortrag die Entwicklung des Instituts für Sportstättenentwicklung seit seiner Gründung vor und betonte, dass Sportentwicklungsplanung immer vor Ort stattfindet. „Jede Kommune verfügt über eigene Vereine, Sportstätten, Traditionen und Rahmenbedingungen, die bei der Planung berücksichtigt werden müssen“, so Henn. Eine zentrale Aussage des Experten war, dass Sport- und Sportstättenentwicklung konsequent von den Menschen, den Vereinen und den tatsächlichen Nutzern her gedacht werden sollte. Gleichzeitig wurde der ganzheitliche Ansatz hervorgehoben, Sport nicht ausschließlich als Vereinssport zu betrachten, sondern alle Formen von Sport, Bewegung und körperlicher Aktivität in die Planung einzubeziehen. Darüber hinaus betonte Henn, wie wichtig der fachliche Austausch und das gegenseitige Lernen sind – sowohl in europäischer Perspektive als auch zwischen Kommunen innerhalb von RLP. Viele erfolgreiche Lösungen entstehen durch den Blick über den eigenen Tellerrand und den Transfer bewährter Ansätze auf die lokalen Gegebenheiten.
Sport bewusst breit denken
Lynn Taschler (Institut national de l’activité physique et des sports) und Michel Zeniti (Ministerium für Sport, Gouvernement du Grand-Duché de Luxembourg) verdeutlichten in ihrem Vortrag unter dem Motto „Lokale Sport- & Bewegungsförderung in Luxemburg den systemischen Ansatz der Sport- und Bewegungsförderung in Luxemburg. Im Mittelpunkt steht dabei die Qualifizierung der kommunalen Sportkoordinator*innen. Diese sollten nicht nur fachlich und methodisch gut ausgebildet sein, sondern auch die rechtlichen Rahmenbedingungen, Fördermöglichkeiten und relevanten Netzwerke kennen, um Sport und Bewegung vor Ort bestmöglich weiterzuentwickeln. Sport in Luxemburg werde bewusst breit gedacht. Neben den Sportvereinen spielten auch kommunale Sportangebote, Angebote der Jugendarbeit sowie weitere Akteure eine wichtige Rolle. Sport und Bewegung würden als gemeinschaftliche Aufgabe verstanden, die verschiedene Bereiche miteinander verknüpft. Eine zentrale Erkenntnis war dabei, dass es vor Ort eine Person braucht, die diese Prozesse koordiniert und vernetzt. Genau diese Funktion übernimmt der kommunale Sportkoordinator als Ansprechpartner, Netzwerker und zentraler Knotenpunkt für Sport und Bewegung in der jeweiligen Gemeinde.
Datenbasierter Ansatz
Olivier Esser (Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens) stellte die Sportentwicklungsplanung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens als bewusst datenbasierten Ansatz vor. Gerade als kleine Region mit eigenen Gesetzgebungskompetenzen sei es wichtig, politische Entscheidungen und Strategien auf belastbare Daten zu stützen. Aus diesem Grund arbeitet die Deutschsprachige Gemeinschaft bereits seit 2016 und erneut im Jahr 2026 mit dem ISB zusammen, um fundierte Analysen und Sportentwicklungsstudien als Grundlage für politische Entscheidungen zu erhalten. Zentrale Aussage Essers: Sportentwicklungsplanung benötigt klare Zielsetzungen. In Ostbelgien bilden hier die Zukunftsstrategie „Ostbelgien Leben 2040“, die Förderung von Mädchen und Frauen im Sport sowie das Konzept der langfristigen Sportlerentwicklung (LTAD) zentrale Schwerpunkte. Diese Themen wurden gezielt in die Sportentwicklungsplanung integriert, um auf Basis der erhobenen Daten konkrete Maßnahmen und Strukturen für mehr Sport und Bewegung entwickeln zu können.
Förderungen von 30.000 Euro möglich
Stephanie Freytag (INTERREG-Kontaktstelle Großregion) stellte in ihrem Impulsvortrag die Fördermöglichkeiten des Interreg-Programms Großregion für grenzüberschreitende Sportprojekte vor. Dabei wurde deutlich, dass aktuell noch Fördermittel zur Verfügung stehen und insbesondere für Sportvereine interessante Möglichkeiten bestehen, gemeinsame Projekte mit Partnern aus Luxemburg, Belgien oder Frankreich umzusetzen. Anhand konkreter Beispiele zeigte sie auf, dass unter anderem gemeinsame Trainerausbildungen, Sportveranstaltungen, Wettkämpfe, Trainingslager oder Austauschmaßnahmen gefördert werden können. Besonders positiv aufgenommen wurde das vereinfachte Förderverfahren mit pauschalisierten Abrechnungsmodellen – das den organisatorischen Aufwand für Vereine deutlich reduziert. Learning für Zuhörer*innen: für entsprechende Projekte sind Förderungen von bis zu 30.000 Euro möglich. Stephanie Freytag ermutigte die anwesenden Vereine ausdrücklich, die Chancen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zu nutzen und Projektideen gemeinsam mit Partnern aus der Großregion zu entwickeln.
Gezielte Schulung und Vernetzung
Cheforganisator Stefan Henn war hernach rundum zufrieden. Mit Referent*innen aus drei europäischen Ländern war die Veranstaltung fachlich hochkarätig besetzt und bot interessante Einblicke in unterschiedliche Ansätze der Sport- und Sportstättenentwicklung. Die Herausforderungen vieler Regionen sind ähnlich, die Lösungsansätze setzen jedoch teilweise unterschiedliche Schwerpunkte und können dadurch wertvolle Impulse für die eigene Arbeit liefern. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch die Vorstellung der Fördermöglichkeiten im Interreg-Programm Großregion. Dadurch wurde deutlich, dass neben konzeptionellen Ansätzen und strategischer Planung auch konkrete finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten bestehen, um grenzüberschreitende Sportprojekte und Kooperationen erfolgreich umzusetzen. Für Rheinland-Pfalz bietet insbesondere der Blick auf die Qualifizierung kommunaler Ansprechpartner*innen für Sport und Bewegung interessante Anknüpfungspunkte. Ansätze wie die gezielte Schulung und Vernetzung von Sportkoordinatoren könnten auch hier Impulse liefern, um bestehende Strukturen – etwa im Bereich der Sportkreisvorsitzenden, Inklusionslots*innen oder Bewegungsmanager*innen – weiterzuentwickeln und die Menschen vor Ort noch besser in die Lage zu versetzen, Sport- und Bewegungsangebote sowie die Sportstättenentwicklung aktiv mitzugestalten.
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