Leeres Schwimmerbecken.
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Sonderseite mit FAQ, Positionierungen und Empfehlungen zur Energiekrise im rheinland-pfälzischen Sports

Energiekrise im Sport

Der Landessportbund positioniert sich angesichts der aktuellen Energiekrise, möchte rheinland-pfälzsiche Vereine und Verbände bezüglich der Thematik frühzeitig informieren und beraten sowie gegenüber der Politik eindringlich davor warnen Sportstätten und Schwimmbäder zu schließen. Auf unserer Sonderseite zur Energiekrise finden Sie die Positionierung des DOSB, weitere Empfehlungen und ein FAQ zu den Auswirkungen auf den Sport.

Positionierung: Energie-Lockdown für Sport verhindern

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der Landessportbund (LSB) Rheinland-Pfalz warnen eindringlich davor, in der sich abzeichnenden Energiekrise die Fehler aus der Corona-Pandemie zu wiederholen und Schwimmbäder und weitere Sportstätten erneut zu schließen. Der vereinsbasierte und gemeinwohlorientierte Sport ist wesentlich mehr als eine Freizeitaktivität. Er ist unverzichtbarer Teil der sozialen Daseinsvorsorge und erfüllt wichtige soziale und gesundheitsfördernde Funktionen für die Gesellschaft. Dies muss bei allen Entscheidungen zur Gas- und Wärmeversorgung berücksichtigt werden.

Unsere vollständige Positionierung finden Sie hier.

Appell: Kommunen sollen Energiesparvorschläge beachten

Der DOSB, der LSB und weitere Mitgliedsorganisationen appellieren an die Kommunen, sich angesichts der drohenden Energiekrise an Energiesparvorschläge des Bundes und der EU zu halten.

Den vollständigen Appell finden Sie hier.

Sofortmaßnahmen zur Energiereduktion

Gemeinsam mit dem DOSB haben wir angesichts der Energiekrise Empfehlungen und Maßnahmen zur Energiereduktion für Sportvereine aufgestellt. Dabei sind primäre Maßnahmen für Sportstätten genauso berücksichtigt wie Sofortmaßnahmen für Schwimmbäder.    

Zudem stellen wir ihnen ein Plakat mit den Sofortmaßnahmen zum Download hier zur Verfügung.

FAQ: Energiekrise und Auswirkungen auf den Sport

Welche aktuellen Entwicklungen der Energiekrise bereiten der Politik Sorgen?

Die Bundesregierung bereitet sich auf eine Gas-Notlage mit Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit der Bundesrepublik vor. Am 23. Juni 2022 hat das Bundeswirtschaftsministerium die Alarmstufe des Notfallplans Gas ausgerufen.  

Bereits im Frühjahr haben zahlreiche Städte Energiekrisenstäbe eingerichtet, die Einsparmaßnahmen für Wärme und Strom entwickeln. Mit der Alarmstufe werden diese Pläne nun konkreter: Die kommunalen Spitzenverbände haben Maßnahmenvorschläge an die Kommunen versendet, welche u.a. die Absenkung der Wassertemperaturen in Schwimmbädern, Abschaltung von Warmwasserbereitung in Sport- und Turnhallen sowie Funktionsgebäuden und die Absenkung der Raumtemperatur in gedeckten Sportanlagen beinhalten. In einem aktualisierten Schreiben wird auch die Schließung von Hallenbädern und Saunen als kurzfristig umsetzbare Maßnahme vorgeschlagen.  

Was bedeuten diese Entwicklungen für die Energiepreise?

Der zunehmende Gasmangel wirkt sich natürlich auch auf die Preisentwicklung aus. Mit einer weiteren Verknappung der Gasmengen und damit auch weiteren Preissteigerungen ist laut der Bundesregierung zu rechnen. Bundesminister Habeck äußerte die Befürchtung, dass sich die Gaspreise verachtfachen könnten. Vor einem Jahr lag die Megawattstunde Gas ungefähr bei 20 Euro, bereits jetzt liegt der Preis zwischen 140 bis 150 Euro. Andere Quellen berichten von Preissteigerungen von 300%.  

Wie sind die Sportstätten hinsichtlich der Abhängigkeit von Gas aufgestellt?

In Deutschland existieren etwa 230.000 Sportstätten, darunter 36.000 Sporthallen, 3.000 Tennishallen, 9.340 Bäder, 8.000 Schießanlagen und 60.000 Vereinsheime bzw. Funktionsgebäude. Insgesamt übernehmen für etwa zwei Drittel der Sportstätten Kommunen die Trägerschaft, bei dem verbleibenden Drittel sind Sportvereine die Eigentümer. Da viele Sportstätten im Zuge der “Goldenen Pläne” gebaut wurden und seither nicht mehr großflächig saniert wurden, dominieren bei der Wärmeversorgung vor allem fossile Energieträger wie Ölheizungen, Gasheizungen oder sogar Nachtspeicheröfen. Die Verwendung von regenerativen Energiequellen zur Wärmeversorgung stellt die Ausnahme dar. Das gleiche gilt für die regenerative Energieversorgung durch Photovoltaik-Anlagen. Die unzureichende Gesetzeslage zur Finanzierung und zum Betrieb von PV-Anlagen schreckt viele Sportvereine vor diesem Investment ab.

Wieso sind Schwimmbäder besonders betroffen?

Mehr als 90% der Schwimmbäder werden aktuell mit Gas beheizt. Das Schwimmbad als Sondersportstätte ist diejenige Sportanlage, die den höchsten Energiebedarf aufweist. Sie werden fast ausschließlich durch Kommunen oder private Betreiber betrieben. Nur wenige Sportvereine besitzen ein vereinseigenes Schwimmbad.

Welche Auswirkungen hat die Energiekrise konkret auf die Sportvereine?

Die Schließung von Bädern und Sporthallen als Reaktion auf den Gasmangel steht im Raum. Der Deutsche Städtetag hat den Kommunen bereits entsprechende Maßnahmenplanungen empfohlen. Zudem werden die Absenkungen von Raum- und Wassertemperaturen empfohlen, die ebenfalls Auswirkungen auf die Nutzbarkeit von Sportstätten haben können (siehe Vorgaben).

Hinsichtlich der Preissteigerungen bei Sportstätten in kommunaler Trägerschaft ist mit einer Weitergabe der Kosten durch erhöhte Nutzungsgebühren für Sportvereine zu rechnen. Sportvereine, die über vereinseigene Sportstätten verfügen, müssen diese zusätzlichen Mehrkosten alleine tragen. Diese Mehrkosten können vom Sportverein, dessen Einnahmestruktur auf Mitgliedsbeiträgen basiert, nicht ohne Weiteres kompensiert werden. Die einzige Möglichkeit zur Kompensation in Form von höheren Mitgliedsbeiträgen ist nach herausfordernden Pandemiejahren mit Mitgliederverlusten keine Option. Der Sport liefe Gefahr als Luxus betrachtet zu werden, da sich nicht mehr Jeder und Jede den Zugang zum Sportverein leisten kann. Genau wie bei kommunalen Sportstätten besteht hier aufgrund der Preissteigerung die Gefahr der Stilllegung der Sportstätten. Dies wäre nach den herausfordernden Pandemiejahren eine existenzbedrohende Katastrophe für den Sport und insbesondere seiner Sportvereine.

Welche Vorgaben gibt es zur Wärmeversorgung von Sportstätten?

Nach DIN-Norm 18032-1 wird eine Raumtemperatur von 17°C bei Sporthallen empfohlen. Die aktuell geltenden AMEV-Hinweise für das Bedienen und Betreiben von heiztechnischen Anlagen in öffentlichen Gebäuden geben eine Mindesttemperatur von 15°C in Sporthallen vor (bei schulischer Nutzung 17°C). Des Weiteren gibt es verschiedene Vorgaben von Mindesttemperaturwerten für Sporthallen von Sportverbänden. Der Internationale Volleyballverband (FIVB) gibt als generelle Mindesttemperatur 10°C an, jedoch müssen bei offiziellen Veranstaltungen des FIVB die Sporthallentemperatur zwischen 16°C und 25°C liegen. Der Deutsche Tischtennis-Bund gibt 15 Grad als Mindestmaß für Sporthallen an. Mindestens 18°C sehen der Deutsche Handballbund und der Internationale Badmintonverband (BWF) vor. 

Wie äußert sich die Öffentlichkeit/Politik zum drohenden Energie-Lockdown für Sportstätten?

"Wir können nicht jeden Betrieb als systemrelevant einstufen. […] Produkte und Angebote, die in den Freizeit- und Wohlfühlbereich fallen, [wären] eher nachrangig. Schwimmbäder gehören wohl nicht zum kritischen Bereich, genauso wie die Produktion von Schokoladenkeksen." (Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur) 

„Dass hier möglicherweise zunächst Produkte und Angebote von Freizeitaktivitäten als erstes ‚vom Netz‘ genommen werden sollen, halte ich für angemessen in einer solchen Ausnahmelage und angesichts des Ziels sicherzustellen, dass die Produktion und die Dienstleistungen für die Daseinsvorsorge aufrechterhalten werden können.“ (Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks) 

"Wir können nicht jeden Betrieb als systemrelevant einstufen. […] Produkte und Angebote, die in den Freizeit- und Wohlfühlbereich fallen, [wären] eher nachrangig. Schwimmbäder gehören wohl nicht zum kritischen Bereich, genauso wie die Produktion von Schok

Der Deutsche Städtetag (Stand 07.07.22) schlägt einige Maßnahmen zur Energieeinsparung vor: 

  1. Absenken der Badewassertemperatur in Schwimmhallen (hierbei sollen Reha- und Seniorenschwimmen, Schwimmunterricht für Kinder, Babyschwimmen beachtet werden) - Betrieb von Saunen und Hallenbädern aussetzen 
  2. Unterbrechung der Beckenwassertemperierung in Freibädern 

  3. Abschaltung der Warmwasserbereitung in ausgewählten öffentlichen Gebäuden 

  4. Absenkung der Raumtemperatur in Sport- und Turnhallen (ab Beginn der Heizperiode)  

Die Bäderallianz schlägt einen drei Stufenplan der Bäder infolge der Gasnotlage vor: 

  • Stufe 1: Abschaltung der hochtemperierten Außenbecken, und ggf. zusätzlich Freibäder unbeheizt bis zum Saisonende weiter betreiben 
  • Stufe 2: Alle freizeitaffinen Becken (alles außer Sportbecken und Lehrschwimmbecken) außer Betrieb nehmen 
  • Stufe 3: Wassertemperatur in den verbleibenden Sport-/Lehrschwimmbecken auf 26 °C absenken 

Gibt es bereits Hilfsprogramme oder -zusagen?

Für Privatverbraucher: Im sogenannten Osterpaket wurden bereits mehrere Maßnahmen zur Entlastung der Privatverbraucher umgesetzt, wie bspw. das 9-Euro-Ticket für den ÖPNV, der Tankrabatt, die einmalige Pro-Kopf-Pauschale i.H.v 300,- Euro sowie die Abschaffung der EEG-Umlage. Mit Hinblick auf die weiter steigenden Gaspreise diskutiert die Koalition aktuell weitere Vorschläge wie eine Preisgarantie (bspw. geknüpft an Verbrauch/Pro Kopf), weitere Einmalzahlungen oder einen Einsparbonus. 

Für Unternehmen: Ein Energiekostendämpfungsprogramm soll insbesondere energieintensive Unternehmen entlasten (Fördervolumen 5 Mrd. €, maximal 50 Mio. pro Unternehmen, nicht-rückzahlungspflichtiger Zuschuss). Zudem diskutiert die Bundesregierung über mögliche Hilfen oder Übernahme von Energiekonzernen.  

Für Kommunen: Die Landesregierung NRW spannt einen Rettungsschirm für Stadtwerke. Von Seiten des Bundes sind bislang keine Pläne bekannt. 

Ansprechperson

Konrad Reuß

Referent Sporträume und Umwelt

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