Online-Seminar des Sportbundes Rheinhessen rund ums Thema "Inklusion im Sport"

"Man sollte das Herz am richtigen Fleck haben"

05.05.2022 –  Michael Heinze

Was bedeutet Inklusion und wie erreichen wir die Zielgruppe? Wie können wir ein inklusives Angebot aufbauen? Und wer unterstützt uns bei unserem inklusiven Vorhaben finanziell und personell? Um diese und ähnliche Fragen drehte sich das kleine, aber feine Online-Seminar, zum dem der Sportbund Rheinhessen anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am Donnerstagabend geladen hatte.

Referent*innen waren Alexander Beuerle, Sport-Inklusionslotse für die Nordpfalz, und Kathleen Dollmann, Sport-Inklusionslotsin für Mainz und Rheinhessen. Dollmann stellte gleich zu Beginn eine spannende Frage: Wie viele Menschen mit Behinderung („Wir sprechen von Menschen mit einem Schwerbehindertenstatus, also mit über 50 Prozent Schweregrad“) leben eigentlich im RLP? So ganz genau wusste das niemand der fünf Zuhörer*innen, darunter auch Vorsitzender Thies Lerch vom TV Oppenheim und Stefan Keinath, Vorstandsmitglied beim TV Appenheim.

Des Rätsels Lösung: Es sind mehr als 300.000 Menschen. „Das ist schon irgendwie eine Zahl, die etwas mit einem macht“, konstatierte Dollmann. „Und was dazu kommt – und das ist noch viel erschreckender – von diesen Menschen sind nur zehnmal so wenig im Sportverein aktiv wie von den Nicht-Behinderten.“ Dies sei für die Inklusionslots*innen ein ganz großes Thema. „Weil wir uns fragen, warum das so ist.“ Bekannt ist: Menschen mit Behinderung wissen oft nicht, an wen sie sich wende müssen. Gerade dann, wenn sie eine Lernbehinderung haben. Ein wichtiges Thema ist auch die Mobilität. Gerade bei Vereinen aus ländlichen Regionen. Aber hier können Dollmann, Beuerle und die zwölf anderen Sport-Inklusionslots*innen im Flächenland RLP wertvolle Hilfen leisten, Brücken bauen und Kontakte herstellen. Was die Anforderungen an ehrenamtliche Betreuer*innen von Menschen mit Behinderungen anbelangt, betonte Dollmann: „Man sollte das Herz am richtigen Fleck haben, motiviert und offen dem Thema gegenüber sein – alles andere kommt…“

  • Index für Inklusion

    Inklusion umsetzen nach dem Index für Inklusion.

    Screenshot: M. Heinze

Wie man Inklusion im Verein umsetzen kann? „Da gibt es ein paar Zutaten – das Rezept muss man sich im Zweifel selbst schreiben“, machte Beuerle deutlich und empfahl „mit einer gewissen Sensibilität ans Thema ranzugehen“. Pfiffig sei es, einen INpuls-Prämien-Antrag zu stellen und dieses Vorhaben publik zu machen. Eine/n Ansprechpartner*in und ein Inklusionsteam bereitzustellen. Kontakt zu den zuständigen Sport-Inklusionslots*innen aufzubauen. Netzwerke mit sozialen Einrichtungen und Behindertensportvereinen zu knüpfen. Gemeinsame Veranstaltungen zu planen. Gute Beispiele aus der Praxis zu suchen und diese schrittweise etablieren. Und die neuen Angebote unter www.inklusiver-sport-rlp.de auf der inklusiven Landkarte einzutragen.

Ansprechperson

Portrait Silvia Wenzel
Silvia Grünert (ehemals Wenzel)

Koordinierungsstelle Inklusion