FC Ente Bagdad und 05er-Fußballszene setzen gemeinsames Zeichen für Vielfalt / LSB leistet als Kooperationspartner Unterstützung

Nie wieder! Mainzer Erinnerungswochen auch in virtuellen Zeiten

19.01.2021 –  LSB-Pressestelle

Der Januar 2021 steht trotz aller Corona-bedingten Einschränkungen auch in diesem Jahr beim FC Ente Bagdad ganz im Zeichen der Mainzer Erinnerungswochen. Gemeinsam mit dem FSV Mainz 05, dem Fanprojekt Mainz, den Supporters Mainz sowie dem QueerNet-RLP und weiteren Partnern wie dem Landessportbund Rheinland-Pfalz gedenken die Hobbykicker mit einigen, vorwiegend virtuellen Veranstaltungen zwischen dem 23. Januar und dem 9. Februar der Opfer im Holocaust.

„Wir wollen erneut auf die Verfolgung und Ermordung der Juden sowie Minderheiten und Andersdenkender während des Nationalsozialismus aufmerksam machen“, betont Enten-Präsident Ronald Uhlich. „Dabei liegt der Fokus in diesem Jahr  auf den Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Identität von den Nazis als „Abartige und Homosexuelle“ gebrandmarkt, verfolgt und ermordet wurden.“

Die „Mainzer Erinnerungswochen“, eingebettet im Rahmen des 17. Erinnerungstages im deutschen Fußball, beginnen beim Heimspiel der Nullfünfer gegen RB Leipzig am Samstag, 23. Januar. Anders als in den Vorjahren wird es diesmal keine gemeinsame Stadionaktion von Geflüchteten und 05-Fans geben können. Stattdessen wird mit Bannern im Stadion auf den Gedenkspieltag hingewiesen.

Es folgen drei virtuelle Veranstaltungen. Am Mittwoch, 27. Januar (19.05 Uhr) gibt es Einblicke in das „queere“ Stadt- und Fußballleben in Mainz. Unter dem Titel „Queer vadis, Mogontiacum?!“ diskutieren Mitglieder der „LGBTQIA*“-Gemeinschaft auf einer Podiumsdiskussion über ihr Leben und ihre Erfahrungen in Mainz. Link: https://www.youtube.com/watch?v=dPt0HiZCeuE&feature=youtu.be

Zwei Tage später, am Freitag, 29. Januar (19.30 Uhr), referiert die Historikerin Dr. Kirsten Plötz virtuell über „Lesbische Liebe in Zeiten des Nationalsozialismus und in der früheren Bundesrepublik.“ Link: https://www.youtube.com/user/EnteBagdad?gl=DE

Mit großer Spannung blicken die Veranstalter auf den abschließenden Online-Vortrag von Henrik Drechsler am Dienstag, 9. Februar (19 Uhr), der über das Leben jüdischer Sportler im Mainz der 1930er Jahre am Beispiel des Boxsportlers Walter Grünfelds berichtet.
Link: https://www.youtube.com/channel/UC6AudU3BZKXdwNMQMNkbyHg

„Uns ist es wichtig, die Erinnerung an den fürchterlichen Aufstieg der Nationalsozialisten und die grausame Zeit während ihrer Schreckensherrschaft wach zu halten. Gerade in Zeiten wie diesen, wo Nationalismus und Hass sowie Ignoranz, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit wieder erschreckend präsent werden, müssen wir wachsam sein und unsere Stimmen erheben“, so Enten-Präsident Uhlich.

Das komplette Programm der Erinnerungswochen finden Sie im Anhang sowie im Internet unter https://www.ente-bagdad.de/engagement.html.

Hintergrund:
Die Initiative „!Nie wieder – Erinnerungstag im deutschen Fußball“ wird an den Spiel- und Turniertagen um den 27. Januar 2021 zum 17. Mal die Botschaft des „Nie wieder“ in die Stadien tragen. Damit erinnert sie die Fußballfamilie daran, dass auch Menschen aus ihren Reihen von den Nationalsozialist*innen verfolgt und ermordet wurden.

Die Initiative „!Nie wieder – Erinnerungstag im deutschen Fußball“ wurde 2004 mit einem Aufruf weniger Engagierter in der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau ins Leben gerufen. Inzwischen wird der Erinnerungstag ligenübergreifend von vielen Vereinen unterstützt und mit Aktionen begleitet. Im Bündnis sind neben Faninitiativen, Fanprojekten und einem breiten zivilgesellschaftlichen Verbund auch DFL, DFB, Landesverbände des DFB, DOSB und Makkabi Deutschland engagiert.

Dieses Jahr steht die Leidensgeschichte der Menschen im Mittelpunkt, die in der Nazizeit aufgrund ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität gebrandmarkt und brutal verfolgt wurden. Ihre Bedrohung endete nicht mit dem 8. Mai 1945 und ist auch 2021 für die Betroffenen erschreckend real. Noch ist kein gesamtgesellschaftlicher Konsens erreicht, dass alle Menschen ihre sexuelle und geschlechtliche Identität frei und offen leben und zeigen können.

Weitere Infos unter https://www.niewieder.info/

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