Online-Seminar zur Bindung Ehrenamtlicher in Sportvereinen stößt auf großes Echo

„Wertschätzung ist ganz wichtig“

03.09.2020 –  Michael Heinze

Die Resonanz war überwältigend: Rund 80 Ehrenamtler*innen und Vereinsmanager*innen – auch außerhalb von RLP – wollten am Donnerstagabend beim knapp zweistündigen Online-Seminar zur Bindung Ehrenamtlicher in Sportvereinen mit von der Partie sein, das der Sportbund Pfalz im Rahmen der „Zukunftsbausteine“ veranstaltete.

Dr. Monika Frenger, Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Lehrstuhls für Sportökonomie und Sportsoziologie der Universität des Saarlandes, präsentierte dem virtuellen Plenum die neuesten empirischen Ergebnisse rund ums Thema „Ehrenamtsforschung“. Warum engagieren sich Personen ehrenamtlich? Wie lassen sich Personen für ein Ehrenamt gewinnen? Welche Faktoren haben Einfluss auf die Tätigkeit? Wie kann die Bindung erfasst werden? Was sind die Erfolgsfaktoren, die die Bindung steigern? Das waren Fragen, denen die Forscherin auf den Grund ging. Grundsätzlich müsse man bei ehrenamtlich engagierten Menschen unterscheiden zwischen altruistischen und egoistischen Motiven. Wobei die Übergänge hier natürlich fließend sind. Zudem verändern sich die Motive ehrenamtlichen Engagements im Laufe eines Lebens.

„Wertschätzung ist ein ganz wichtiger Punkt im ehrenamtlichen Engagement – auch das zeigen die empirischen Ergebnisse“, erläuterte Frenger und sprach von einem „sehr hohen Zusammenhang zum Match-Quality-Index (MQI), mit dem die „Passungsfähigkeit“ zwischen Motiven und Nutzen gemeint ist. Ein hoher MQI wirke sich sehr positiv auf die beabsichtigte Fortsetzung des Ehrenamts aus. „Bei Trainern im Fußball wird die Erfolgsorientierung stärker vom MQI beeinflusst als die Entwicklungsorientierung“, so Frenger. Spannend sei, dass sich hier große Unterschiede zeigten zwischen Jugendtrainern und Trainern im Aktivenspielbetrieb.

Laut Frenger muss das Ziel ein größtmöglicher Match zwischen Motiven und Nutzen sein. „Wenn dieser Treffer funktioniert, dann ist vieles erreicht“, so die Sportwissenschaftlerin. Ihre Empfehlung an die Runde: „Sammeln Sie die Daten der Match Quality alle ein bis zwei Jahre – ob das eine App, ein Fragebogen oder eine Excelliste ist. Genau das könnten sie als Managementtool im Verein integrieren, Kennzahlen könnten Sie auf Mitgliederversammlungen präsentieren oder zur aktiven Vereinsarbeit nutzen.“

Wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Praxis genutzt werden, erläuterte Projektkoordinator Martin Hämmerle vom LSB. „Wir haben versucht, die Wissenschaft in die Praxis umzusetzen und uns für den Innovationsfonds des DOSB beworben“, erläuterte Hämmerle, der Daten und Ergebnisse präsentierte, die aus den Angaben von zehn rheinland-pfälzischen Sportvereinen gewonnen wurden. Über 40 Sportvereine hätten sich für das Projekt beworben. Wegen des begrenzten Budgets habe man sich auf zehn Klubs beschränken müssen. Die teilnehmenden Vereine – darunter etwa die Spvgg. Essenheim (Rheinhessen), der Skiklub Prüm (Rheinland) oder der Flugsportverein Speyer (Pfalz) – durften sich über eine Förderung 500 Euro freuen.

Auf die Frage, ob sich die Motive für ehrenamtliches Engagement mit dem Alter verändern, skizzierte Hämmerle, dass der MQI mit steigendem Alter abnimmt. Dies sei „eigentlich selbsterklärend“. Unter dem Strich seien mehr als 80 Prozent der Befragten mit ihrem Ehrenamt zufrieden oder ihre Erwartungen wurden sogar übertroffen. Lediglich bei 17,4 Prozent der Befragten seien die Erwartungen nicht erfüllt worden. Was die Rekrutierung von Ehrenamtler*innen anbelange, scheine die direkte und persönliche Ansprache geeigneter Kandidat*innen sehr effektiv. Hämmerle sprach hier vom „Rekrutierungskanal Nummer eins“. „Wenn man dann noch gute Argumente für das Ehrenamt ins Feld führe, falle es den Leuten in der Regel sehr schwer, nein zu sagen. Auf die Frage, welcher Fall eintreten müsse, damit man das aktuelle Ehrenamt sofort niederlegen würde, sei die Zunahme der beruflichen Belastung an erster Stelle genannt worden. Aber auch nachlassendes Gemeinschaftsgefühl im Verein oder das fehlende Engagement anderer Mitglieder spiele hier eine Rolle. Sportlicher Misserfolg oder die Kürzung öffentlicher Zuschüsse seien dagegen eher nicht als Grund für einen Rücktritt vom Ehrenamt genannt worden. Wobei man dazu sagen müsse, dass ausschließlich Breitensportvereine und keine Profivereine befragt worden seien.