„Silberne Sterne des Sports“: TGM Budenheim darf zum Bundesfinale nach Berlin

23.11.2023 –  Michael Heinze

Diesen tristen November-Tag werden die Verantwortlichen der Turngemeinde 1886 Budenheim wohl niemals vergessen. Der Traditionsverein aus der knapp 9.000 Einwohner zählenden Gemeinde vor den Toren von Mainz ist der 2023er Gewinner des „Großen Stern des Sports“ in Silber für Rheinland-Pfalz. 

Der mit 2.500 Euro dotierte Preis wurde TGM-Vorstand Ralf Reifenberg am Donnerstagabend in Mainzer Staatskanzlei von den Volks- und Raiffeisenbanken des Landes, dem Landessportbund sowie der Landesregierung vor mehr als 60 geladenen Gästen im Festsaal der Mainzer Staatskanzlei für ihr Projekt „GreenTeam“ überreicht.

 „Oscar des Breitensports“

Sie stehen für Gesundheit, Inklusion, Integration sowie Gemeinschaftssinn und Würdigung von ehrenamtlichem Engagement - die Auszeichnungen „Sterne des Sports“ des gleichnamigen bundesweiten Wettbewerbs. Mit dem „Oscar des Breitensports“ werden alljährlich Sportvereine auf Landes- und Bundesebene ausgezeichnet, die sich für die Menschen vor Ort engagieren. Ausrichter des Wettbewerbs sind die Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie der DOSB mit seinen Landessportverbänden.

Viel Ehre und jede Menge Lob gab es jetzt für sechs Sportvereine aus Rheinland-Pfalz, die es unter 84 Mitbewerbern bis in die Endrunde des Wettbewerbs auf Landesebene geschafft hatten. Sie wurden in der festlichen Preisverleihung mit den Sternen des Sports in Silber gewürdigt. Die Auszeichnungen verliehen Michael Ebling, rheinland-pfälzischer Minister des Innern und für Sport, Uwe Abel, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Darmstadt Mainz als Vertreter der genossenschaftlichen Bankengruppe, sowie LSB-Präsident Wolfgang Bärnwick.

Vielfältiges Vereinsengagement

„Bei ‚Sterne des Sports‘ zeigen die ehrenamtlich Engagierten in den Vereinen, dass ein Sportverein mehr ist als nur ein Treffen, um sich gemeinsam zu bewegen“, betonte Bärnwick, der sich von der Vielfalt der Projekte hellauf begeistert zeigte. „Der Sport, das Ehrenamt und die Vereine haben gewonnen. Alle sind hier Sieger – und das imponiert.“ 

Auch Sportminister Ebling lobte das „vorbildliche Engagement“ der prämierten Vereine in hohen Tönen:

„So vielfältig ihre Aktivitäten auch sind, eines haben sie gemeinsam: Mit ihrer Vereinsarbeit und ihren innovativen Projekten bringen sie Menschen zusammen und stärken den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.“ 

 

Bei so einem Landesfinale – Moderator Christian Döring sprach vom „Landesolymp der ehrenamtlich Schaffenden“ – lerne man „vor allem gute Ideen kennen“. Und es sei wahrhaft keine Schande, gute Ideen zu kopieren. Für die genossenschaftliche Bankengruppe bezeichnete Abel Vereine als „wichtige Akteure in unserer Gesellschaft. Sie stärken vor allem die soziale, psychische und gesundheitliche Entwicklung der Menschen in den Regionen und haben die große Kraft, Menschen miteinander zu verbinden“. Einmal selbst bei der Endausscheidung in Berlin dabei zu sein, das sei „ein erhebendes Gefühl, ein sehr schönes Gefühl“.

  • Fröhliche Menschengruppe auf Bühne

    Die pure Freude: Ralf Reifenberg, Vorsitzender der TGM Budenheim (hintere Reihe, 5.v.l.) genießt den Augenblick gemeinsam mit Sportminister Michael Ebling (6.v.l.), LSB-Präsident Wolfgang Bärnwick (ganz r.) sowie seinen Vereinskolleg*innen, Bankenvertreter*innen und den Zumba Kids der TGM um Julia Dreger.

    Foto: Franz Fender

Preisgelder in Höhe von 6.500 Euro

Mit dem „Kleinen Stern des Sports in Silber“ wurden jeweils der Sportverein TFC 1861 Ludwigshafen (2. Platz) sowie der Verein Lützel Baskets 1956 (3. Platz) aus Koblenz ausgezeichnet. Förderpreise erhielten außerdem der westpfälzische Klub SV 1919 Lemberg, die Eifelaner vom Sportverein Blau-Weiß Kaifenheim und der ARSV Solidarität Mainz von 1898. Insgesamt vergab die Fachjury aus Journalist*innen, Sportler*innen, Vertreter*innen des Landessportbundes sowie des Landesministeriums Preisgelder in Höhe von 6.500 Euro.

Besonders groß war der Jubel bei den pfiffigen Budenheimer*innen. Als Christian Döring um 18:21 Uhr die Entscheidung verkündete, fühlten sich die TGM-Delegierten für ein paar Sekunden fast wie im siebten Himmel. Freudestrahlend klatschte sich TGM-Vordenker Reifenberg mit seinen Vereinskolleg*innen ab, umarmte sie innig. Zu den Klängen des Right Said Fred-Ohrwurms „Stand up (for the champions)“ klopften sich die Glorreichen gegenseitig auf die Schultern. „Wir freuen uns unglaublich“, sagte Reifenberg, selbst aktiver Tischtennisspieler auf Kreisoberliga-Niveau, im Plausch mit Döring – und seine Augen leuchteten. „Morgen werden wir erst mal allen anderen Bescheid sagen.“

GreenTeam für mehr Nachhaltigkeit im Verein

Was ein Dream-Team im Basketball ist, ist das GreenTeam für die Turngemeinde. Der Nachhaltigkeits-Ausschuss des Vereins sammelt grüne Ideen zu Umwelt- und Klimaschutz, stimmt sie mit den anderen Mitgliedern ab und setzt sie um. Es gilt das Prinzip: „Das GreenTeam: Was wäre wenn?“ Die Ideen reichen von vertikaler Wandbegrünung über Insektenhotels bis hin zu Fahrgemeinschaften und Mehrweggeschirr. In der vergangenen Herbst- und Wintersaison hat das GreenTeam sich dafür eingesetzt, das warme Wasser abzustellen und die Temperatur in der Sporthalle dauerhaft auf 18 Grad zu senken. Damit konnte die TGM ihren Energieverbrauch um 20 Prozent drücken und so gut und gerne 8.000 Euro sparen. Das hat den Verein vor der Insolvenz gerettet. Ein weiterer positiver Effekt: Was an grünen Ideen im Verein funktioniert, nehmen viele als Anregung für daheim.

Für die TGM Budenheim, deren begleitende Genossenschaftsbank übrigens die Volksbank Alzey-Worms eG ist findet der Wettbewerb nun auf Bundesebene seine Fortsetzung. Die Blau-Weißen werden Rheinland-Pfalz bei der Verleihung der bundesweiten „Goldenen Sterne“ vertreten. Diese werden am 29. Januar 2024 – voraussichtlich von Bundeskanzler Olaf Scholz – in Berlin verliehen. „Und wir fahren mit möglichst vielen Leuten nach Berlin“, kündigte Ralf Reifenberg am. „Wenn das erlaubt ist…“ 

WEITERE PREISTRÄGER

2. Platz (1.500 Euro): TFC 1861 Ludwigshafen mit Projekt „TFC Job-Barbecue“

Der Einstieg ins Berufsleben ist für junge Leute kein einfacher Schritt. Sie wissen weder was sie erwartet noch was von ihnen erwartet wird. Um ihnen bei der Entscheidungsfindung zu helfen, lädt der Turn- und Fecht-Club 1861 Ludwigshafen seit fünf Jahren zum „TFC Job Barbecue“ ein. Bei Burgern und alkoholfreiem Bier kommen Unternehmen aus der Region schnell persönlich mit den Jugendlichen ins Gespräch – ganz ohne Berührungsängste oder Stress. Das Konzept ist so erfolgreich, dass Betriebe und Institutionen beim TFC Schlange stehen. Viele junge Leute verlassen das Job-Barbecue mit einem unterschriebenen Vertrag.

3. Platz (1.000 Euro): Lützel Baskets mit Projekt „CSR-Modell Soziale Verantwortung“

Die Lützel Baskets 1956 träumen davon, in den nächsten fünf Jahren zu einem der Top-20-Basketballstandorte in Deutschland aufzusteigen. Der Weg dorthin führt für den Verein über den Ausbau seines Leuchtturmteams, der Herrenmannschaft EPG Koblenz Baskets, und eine fokussierte Jugendarbeit. Dabei setzt der Vorstand auf das „CSR-Modell Soziale Verantwortung", ein Ansatz der Sport gesamtgesellschaftlich und nachhaltig denkt. Um Top-Spieler zu gewinnen, Fans und Sponsoren zu begeistern und talentierte Nachwuchsspieler anzuziehen, arbeitet der Verein kontinuierlich daran, in Koblenz das passende Umfeld dafür zu schaffen. Neben dem sozialen Engagement kommen auch die sportliche Aufbauarbeit und Kooperationen mit Kitas und Schulen nicht zu kurz. Schwerpunkte liegen auf Angeboten zur Bewegungsförderung, zur Gesundheitsprävention und auf der Integrationsarbeit.

Förderpreis (500 Euro): SV 1919 Lemberg mit Projekt „Inklusives Sportfest“

Ein neues Sportangebot entwickeln, Inklusion voranbringen und so neue Mitglieder gewinnen – das waren die Leitgedanken für ein „Inklusives Sportfest beim SV Lemberg mit Typisierungsaktion“. Im Juli hat der SVL mit diesem Event drei Tage den Sport und das Vereinsleben gefeiert. Zu den Höhepunkten gehörten das inklusive Fußballturnier und die SVL-Partie gegen die Weisweiler-Elf, die Traditionsmannschaft von Borussia Mönchengladbach, die Bundesliga-Spieler aus vier Jahrzehnten vereint. Aus Anlass dieses Spiels konnten sich alle auch als Stammzellenspender*innen registrieren lassen. Verdiente Ehrenamtliche wurden in der Halbzeit geehrt. In Kooperation mit der Heinrich-Kimmle-Stiftung will der Verein in Zukunft regelmäßig inklusives Training im Bereich Fußball anbieten.

Förderpreis (500 Euro): Sportverein Blau-Weiß Kaifenheim mit Projekt „Grenzen setzen“

Sexualisierte Gewalt kennt keine Grenzen, deshalb müssen sich auch kleine Vereine mit diesem heiklen Thema auseinandersetzen, davon ist der Sportverein Blau-Weiß Kaifenheim überzeugt. Weil Prävention entscheidend ist, hat der junge Vorstand eine vereinsunabhängige Anlaufstelle für sexualisierte Gewalt, Rassismus und Diskriminierung geschaffen, die mit einer Masterstudentin der Psychologie besetzt ist. Unter der Überschrift „Grenzen setzen: Stopp heißt Stopp!“ bietet die Expertin zusammen mit den Übungsleiter*innen des Vereins Selbstbehauptungskurse für Kinder an, in denen die Kleinen lernen, wie sie sich wehren und Grenzen setzen können. Zum Konzept gehören auch ein Verhaltenskodex für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie ein Interventionsleitfaden bei Verdachtsfällen. Wer ein Anliegen hat, kann eine Mail an eine vereinsunabhängige E-Mail-Adresse senden. Für Kinder und Jugendliche gibt es eine anonyme Kummerbox. Ein Verein, der mehr Vertrauen schafft und gleichzeitig seine Verantwortung ernst nimmt!

Förderpreis (500 Euro): ARSV Solidarität Mainz mit Projekt „Mit uns blüht euch was“

Wie wichtig blühende Wiesen für die Artenvielfalt und das Überleben der Insekten sind, das wissen die Vereinskinder beim Arbeiter-, Roll- und Sportverein Mainz Solidarität von 1898 schon ganz genau. Unter dem Motto „Mit uns blüht euch was“ haben sie Baumscheibenpatenschaften in ihrem Stadtviertel übernommen und so ganz praktisch etwas für den Umweltschutz getan. Zuerst wurde gemeinsam ausgesät und angepflanzt, danach regelmäßig gegossen, Unkraut gejätet und Müll eingesammelt. Mit den Pflanzen sind auch die Kinder gewachsen. Sie haben Durchhaltevermögen und Verantwortungsbewusstsein gelernt. Ein Engagement, das allen ein Lächeln auf die Lippen zaubert.

STERNE DES SPORTS

Die „Sterne des Sports“ sind eine Initiative des DOSB und der Volksbanken Raiffeisenbanken. Sie zeichnen Sportvereine und ihre vielen ehrenamtlichen Helfer*innen für ihr gesellschaftliches Engagement aus. Mit ihren Angeboten fördern sie Kinder und Jugendliche, tragen zum Schutz der Gesundheit bei, unterstützen Familien oder dienen einem besseren Miteinander: Diese großen Leistungen finden immer noch zu wenig öffentliche Anerkennung. Die „Sterne des Sports“ würdigen diese. Alle Nominierten für die „Sterne des Sports“ in Silber haben sich zuvor als Preisträger des „Großen Sterns des Sports“ in Bronze auf Ortsebene qualifiziert.