Landesmeisterschaften der Jugend: Maxi Markov nutzt den Heimvorteil

22.09.2022 –  Tennisverband RLP

Ein bisschen verkehrte Welt war das schon: Bei den rheinland-pfälzischen Tennis-Hallenmeisterschaften der Senioren Ende März herrschten draußen die allerbesten Bedingungen – bei Temperaturen von gut 20 Grad und strahlend blauem Himmel bedauerte mancher Akteur, dass die Matches drinnen ausgetragen wurden. Die Jugendlichen hingegen, die Mitte September ihre Landesmeisterschaften ebenfalls auf der Anlage des TC Boehringer Ingelheim austrugen, waren froh, dass der Verein auch über Sandplätze in der Halle verfügt – dank derer die Titelkämpfe trotz des verregneten Samstags ohne nennenswerte Verzögerungen und wechselnden Belag über die Bühne gehen konnten.

„Länger als eine Stunde musste niemand warten“, berichtete Morten Pohl, der für den Jugendleistungssport zuständige Mitarbeiter des TVRP. „Am zweiten Tag war es eine hybride Veranstaltung, einige Spiele wurden draußen begonnen und drinnen beendet, andere komplett in der Halle gespielt, aber organisatorisch hat das alles sehr gut funktioniert. Es hat sich ausgezahlt, auf einer so großen Anlage zu spielen. Wir konnten draußen 18 Plätze nutzen und mehr Partien parallel austragen als ursprünglich geplant.“

Rascher als geplant endete das Finale der männlichen U18: Der an eins gesetzte Julian Franzmann (TC BW Bad Ems) stand vorzeitig als Sieger fest, beim Stand von 6:0, 1:0 gab Daniel Kirchner auf. Der Akteur des TSC Mainz, der im Gegensatz zu Franzmann ein hartes Halbfinale hinter sich hatte, dass er gegen Finn Gerharz, einen weiteren Bad Emser, mit 4:6, 6:3, 6:0 gewann, war angeschlagen in Endspiel gegangen. Knie und Schultern schmerzten, und Franzmann war zu souverän, als dass er Kirchner eine Chance gelassen hätte. Weitaus spannender verlief die Entscheidung in der U-16-Konkurrenz, die mit einem Heimsieg endete: Maximilian Markov, Sohn des Ingelheimer Cheftrainers Mark Markov, verlor den ersten Satz gegen Jonathan Dazert (TC Oberwerth Koblenz) mit 2:6, steigerte sich aber deutlich und holte sich mit 6:1 den zweiten und mit 6:4 den dritten Satz. „Das war ein super spannendes Match auf tollem Niveau“, schwärmte Pohl. Schon in den Halbfinals hatten alle Beteiligten gutes Tennis geboten. Markov beim 6:3 und 6:4 gegen Laurenz Kersting (TSC Mainz), der topgesetzte Dazert gegen den Ingelheimer Dominick Müller brauchte über zwei Durchgänge, die er jeweils mit 6:4 gewann, ein Spiel länger.

Der Zufall und die vorangegangenen Resultate wollten es, dass die letzte Partie des im Gruppenmodus ausgetragenen Turniers der weiblichen U16 quasi das Endspiel darstellte. Den Titel gewann Elise Barnstedt vom TV Grün-Weiß Mainz gegen die Lokalmatadorin Nuria Henkel mit 6:2 und 6:4. Henkel war zuvor an dem an härtesten umkämpften Duell dieser Altersklasse beteiligt, in dem sie sich mit 4:6, 6:2, 10:8 gegen die für den TC Weiler angetretene Hanna Smith durchsetzte. Die Unterlegene musste danach verletzungsbedingt aussteigen. Dass der dritte Satz in diesem Fall im Matchtiebreak ausgetragen wurde, war der Witterung geschuldet. „Die Spielordnung des DTB sieht vor, dass bei Landesmeisterschaften von der U14 an aufwärts die dritten Sätze ausgespielt werden“, erläuterte Morten Pohl. „Wenn bei schlechtem Wetter allzu lange Verzögerungen drohen, sind Ausnahmen erlaubt.“

Souverän durch das größte Teilnehmerfeld dieser Titelkämpfe arbeiteten sich Alexander Haage (BASF TC Ludwigshafen) und der Bad Emser Yannis Ross bei der U14. Kampflos ins Achtelfinale gekommen, meisterten sie die beiden ersten Aufgaben jeweils mit 6:1, 6:0 und 6:0, 6:1. Derweil Ross auch im Halbfinale gegen Bijan Bakhschai (TC Blau-Weiss Maxdorf) daran anknüpfte und 6:2, 6:1 gewann, stand Haage gegen den Koblenzer Jan Barisic vor einer ersten ernsthaften Prüfung, die der Favorit aber mit 6:3 6:4 bestand. Im Endspiel gegen die Nummer zwei setzte der Ludwigshafener die Entwicklung fort, die er während der Saison genommen hatte. „Einige Verletzungen hatten ihn unter anderem die Teilnahme an unseren Wintermeisterschaften gekostet“, berichtete Pohl. „Aber in den vergangenen Monaten hat sich wieder Schritt für Schritt reingespielt. Der Titel ist ein schöner Erfolg für ihn“ – und den sicherte Haage sich mit einem 6:2, 6:3-Finalsieg.

Mit einer kleinen Überraschung endete der Wettbewerb der U-14-Mädchen. Keine der beiden topgesetzten Spielerinnen überstand das Halbfinale: Isabella Krassnitzer (TC Freinsheim), auf dem Papier die Nummer eins, musste sich der Bad Kreuznacherin Amina Arndt mit 5:7, 0:6 geschlagen geben, Melia Nagel (BASF TC Ludwigshafen) gab gegen Romy Neumer (TC Erlenbach) beim Stand von 0:5 auf. Mit zweimal 6:2 entschied Arndt, die nominelle Nummer drei, das Endspiel gegen die ungesetzte Neumer für sich.

Im Endspiel der U-12-Jungen standen sich die beiden Teilnehmer gegenüber, die laut Setzliste dort zu erwarten waren: Clemens Müller vom TC Hattert und Finn Klemen vom TC BW Bad Breisig. Die beiden Rheinländer kennen einander nicht nur gut, sie teilte auch die Freude daran, das längste Match dieser Meisterschaften zu spielen, in dem Müller im zweiten Satz mehrere Matchbälle abwehrte, bevor er sich in den Champions-Tiebreak rettete. „Die beiden haben toll gespielt und toll gefightet“, bescheinigte Pohl den Finalisten. Clemens Müller hatte mit 4:6, 7:6, 10:4 das bessere Ende für sich.

Bei den U-12-Mädchen standen sich ebenfalls die beiden Favoritinnen gegenüber. In einem so intensiven wie kommunikationsfreudigen Duell bezwang Sarah Funk (SV Föhren) die jahrgangsjüngere Ana Stratulat (TC Ludwigshafen-Oppau) mit 7:5, 6:3.

Auch in der jüngsten Altersklasse, in der DTB-Ranglistenturniere ausgetragen werden, der U11, kamen zur Freude der Verbandsverantwortlichen genügend Meldungen für ein Turnier zusammen. Das Endspiel gewann der Frankenthaler Anton Waltz mit 6:3, 6:2 gegen Tom Meinert (TSV Schott Mainz), der in seinen beiden vorangegangenen Matches insgesamt nur ein Spiel abgegeben hatte.

Für viel Leben am Finaltag sorgte das vom Verband erstmals parallel ausgetragene „Jüngstenturnier“ der Altersklassen M/W 8 bis 10. Mehr als 60 Mädchen und Jungen maßen sich in nach den Grand-Slam-Turnieren benannten Gruppen, „und es waren einige Talente dabei, die wir mit Sicherheit in den nächsten Jahren bei Rheinland-Pfalz-Meisterschaften wiedersehen werden“, sagte Morten Pohl. „Die jüngsten Teilnehmer*innen waren Jahrgang 2015, und es war schön zu sehen, wie sie Gas geben und was sie schon draufhaben.“
Positiver Nebeneffekt: Die Zahl der Zuschauer bei den Siegerehrungen der Jugendlichen war größer als üblich, der Applaus fiel entsprechend lauter aus. „Und für die Kleinen war es cool, den Großen zuschauen zu können“, sagte Pohl. „Das Angebot werden wir im nächsten Jahr erneut machen, und wir denken darüber nach, ob wir den Jüngsten auch im Winter etwas ähnliches anbieten können.“