Landessportlerwahl 2013: Welte, Holzdeppe und Bugner/Bugner machen das Rennen

2014 landessportlerwahlDie Gewinner der 2013er Landessportlerwahl stehen fest: Stabhochspringer Raphael Holzdeppe bei den Männern, Bahnradsprinterin Miriam Welte bei den Frauen und die Kunstradfahrer André und Benedikt Bugner bei den Teams. Foto: LSB RLP/ Bernd EsslingWeltmeister liegen in der Publikumsgunst ganz vorne

Miriam Welte bei den Frauen, Raphael Holzdeppe bei den Männern und André Bugner/Benedikt Bugner bei den Mannschaften heißen die Gewinner der 2013er Landessportlerwahl des Landessportbundes Rheinland-Pfalz (LSB). Die Ehrung der "Besten der Besten" fand mit 250 Freunden, Familienangehörigen und Wegbegleitern der Athleten im Foyer des Landesfunkhauses des SWR in Mainz statt. In der Sendung "Flutlicht" wurden die Gewinner anschließend auch der Öffentlichkeit vorgestellt.

Raphael Holzdeppe, Olympia-Dritter von London im Stabhochsprung mit 5,91 Metern und im vergangenen Jahr in Moskau mit 5,89 Metern zum ersten Mal Weltmeister, hat bei der 18. Landessportlerwahl seinen Titel verteidigt. Der 24 Jahre alte Athlet des LAZ Zweibrücken, der bei der WM sensationell den französischen Olympiasieger Renaud Lavillenie bezwang, erhielt 23,39 Prozent der abgegebenen Stimmen. Damit legte Holzdeppe in der Publikumsgunst im Vergleich zum Vorjahr noch einmal deutlich zu. "Für mich isst die Wahl zum Landessportler ein bisschen wichtiger als der dritte Platz bei der Wahl zum Sportler des Jahres in Deutschland", sagte Holzdeppe, der ankündigte, sein nächstes Ziel sei es, sechs Meter zu springen. "Denn das hier ist eine Publikumswahl und die Wahl zum Sportler des Jahres in Deutschland ist eine Wahl von Sportjournalisten - aber die können auch manchmal ein bisschen Mist erzählen. Die LSB-Wahl gibt mir etwas zurück - dass man beim Publikum auch ankommt." Laudator Bernhard Brenner, sein Vereinsboss beim LAZ Zweibrücken, bezeichnete den ersten deutschen Stabhochsprung-Weltmeister als "verdammt coolen Kerl, der auch bei der höchsten Anspannung konzentriert bleibt".

Auf Platz zwei landete Newcomer Kai Kazmirek von der LG Rhein-Wied mit 20,40 Prozent der Stimmen. Das hätte vor einem Jahr noch zum Sieg gereicht. Der U23-Europameister ist mittlerweile einer der besten Zehnkämpfer der Welt. "Die abschließenden 1.500 Meter mag ich übrigens gerne", verriet der Elfte der Männer-Weltrangliste mit Gespräch mit SWR-Moderator Holger Wienpahl. "Ein bisschen quälen gehört dazu - das macht auch den Zehnkampf aus." Bei der EM in Zürich traut sich Kazmirek einen Platz unter den ersten Fünf zu - wenn er die Qualifikationshürde nimmt.

Platz drei bei der mittlerweile 18. Auflage der Sportlerwahl erreichte mit dem Para-Leichtathleten Mathias Mester ein ganz neues Gesicht. Auf den Sympathikus vom 1. FC Kaiserslautern, der bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften der Menschen mit Behinderung in Lyon den Titel im Speerwurf gewann und seit 2006 mit seiner Trainerin Steffi Nerius zusammenarbeitet, entfielen 19,31 Prozent der Stimmen.

Bei den Frauen setzte sich Miriam Welte mit 22,13 Prozent der Stimmen durch. Die 27 Jahre alte Bahnrad-Sprinterin vom RSC Kaiserslautern hatte sich vor einem Jahr recht knapp der Olympia-Zweiten Lilli Schwarzkopf geschlagen geben müssen. Diesmal landete die Pfälzerin, die sich in Minsk den Titel der Weltmeisterin im Teamsprint gesichert hatte, ganz oben auf dem Treppchen. "Das fühlt sich sehr gut an", sagte Welte. "Der Titel Landessportlerin des Jahres bedeutet mir viel. Weil ich genau weiß, dass ganz Rheinland-Pfalz hinter mir steht und mich gewählt hat." Laut Laudator Jan van Eijden, selbst ehemaliger Weltklasse-Sprinter und inzwischen Nationaltrainer der britischen Bahnradsprinter, zeichnet sich die Ausnahme-Athletin durch "Ehrgeiz, Zielstrebigkeit und den unermesslichen Willen, besser zu werden", aus. "Ihre Mutter ist die gute Seele, Stiefvater Frank Ziegler der Trainer und die beiden Geschwister sind immer da, wenn es irgendwo drückt." Mit 21,25 Prozent landete Angela Maurer vom SSV Undine Mainz auf Rang zwei. Für die 38 Jahre alte Langstreckenschwimmerin war 2013 eines der erfolgreichsten Jahre ihrer Karriere. Bei der WM in Barcelona hatte Maurer mit einer Silber- und einer Bronzemedaille überzeugt. Dritte wurde die wagemutige Klippenspringerin Anna Bader (Mainzer Schwimmverein 01) mit 20,59 Prozent. Bader gewann bei der Schwimm-WM in Barcelona im erstmals ausgetragenen High Diving-Wettbewerb Bronze. "Ich komme mir eigentlich gar nicht so verrückt vor", verriet Bader, die als Studentin einst in Madrid als Straßenkünstlerin mit Akrobatik und Tanz ihr Geld aufbesserte und Anfang Januar in Freiburg ihr Referendariat als Lehrerin begonnen hat.

In der Kategorie "Team des Jahres" hatte wie gehabt ein Kunstrad-Duo die Nase vorne. Die hoch veranlagten Brüder André Bugner/Benedikt Bugner vom RSV Klein-Winternheim traten in die Fußstapfen von Katrin Schultheis/Sandra Sprinkmeier (RV Mainz-Ebersheim). Bugner/Bugner, die in der Schweiz gleich in ihrem ersten Jahr bei den "Großen" Weltmeister in Zweier-Kunstradfahren der Männer geworden waren, siegten mit 22,78 Prozent. "Allein die Nominierung war für uns eine Riesenehre", sagte André Bugner. Die Teeanger verrieten, "dass unsere Mutter in der Familie das Sagen hat - und das ist ganz gut so, weil unsere Vater eher für das Grobe und das Striezen da ist." Die Frau Mama kümmere sich indes um die Technik. Der Laudator, Radsportpräsident Udo Rudolf, freute sich, dass die Bugners "nahtlos den Wechsel geschafft haben vom Nachwuchs- in den Leistungssport." Dies sei keinesfalls selbstverständlich. Den zweiten Platz sicherten sich Jason Osborne und Moritz Moos vom Mainzer Ruderverein mit 21,97 Prozent. Osborne/Moos waren bei der U23-WM im Juli Weltmeister im Doppelzweier geworden und beim der A-WM Ende August im südkoreanischen Chungju Vize-Weltmeister im Doppelvierer. "Bei uns im Boot sage ich mehr oder weniger, wo es lang geht", machte der technisch hoch veranlagte Ur-Mainzer Moos deutlich. "Für Jason ist typisch, dass er sein Ding macht und auf keinen Fall einbricht - auf ihn kann man sich zu hundert Prozent verlassen." Dritter wurde der FSV Kroppach, der bis zum Rückzug der Bundesliga-Mannschaft im Sommer 2013 im nationalen Frauen-Tischtennis einmal so etwas Ähnliches war wie der FC Bayern im Männer-Fußball, mit 19,16 Prozent.

Der Nachwuchs-Förderpreis, den der Landessportbund zum fünften Mal verlieh, ging an Mountainbiker Lukas Baum vom RSC Neustadt und Leichtathletin Celina Leffler vom SSC Koblenz-Karthause. Die 17 Jahre alte Leffler hatte als U18-Weltmeisterin im Siebenkampf geglänzt, der ein Jahr ältere Baum war Welt- und Europameister bei den Junioren geworden.

Der von der Jury erstmals vergebene Trainerpreis ging an Frank Ziegler, der unter anderem Miriam Welte trainiert. "Auch wenn er mehr als 20 Jahre in der Pfalz wohnt, fühlt er immer noch wie ein Thüringer", sagte Dr. Ulrich Becker, Schulleiter des Heinrich-Heine-Gymnasiums, über Ziegler. "Er hat dem Radsport an unserer Schule und im Bund Deutscher Radfahrer wesentliche Impulse verliehen." Wobei Ziegler "nicht der harte Hund" sei, "der mit der Peitsche knallt", sondern es "mir freundlicher Konsequenz" versuche.

"Wir sind stolz auf sie und auf ihre großartigen Leistungen", sagte LSB-Präsidentin Karin Augustin und sprach von "eindrucksvollen Aushängeschildern unseres Landes". "Die Basis der Erfolge, die sie erbracht haben, erfolgt in den Vereinen, in den Verbänden." Augustin bedankte sich vom bisherigen SWR-Sportchef Claus-Dieter Gerke, der sich Ende Dezember in den Ruhestand verabschiedet hat und begrüßte Nachfolgerin Beatrix Reiss. Während Sportstaatssekretär Jürgen Häfner, der am 1. Februar als Geschäftsführer zu Lotto Rheinland-Pfalz wechselt, von Rheinland-Pfalz als dem "mit Abstand sportaffinstem Bundesland" sprach und ankündigte, dass Lotto RLP "auch in den nächsten Jahren ein sehr starker Partner des Sports bleiben werde, legte Werner Schröter ein Geständnis ab. "Wir hatten ein wenig Sorge, ob sich ein solch tolles Resultat wie im Olympiajahr wiederholen könnte", so der LSB-Vizepräsident Leistungssport. "Aber unsere Asse haben 2013 dort weitergemacht, wo sie 2012 aufgehört haben." Die Aushängeschilder des rheinland-pfälzischen Sports hätten eindeutig unter Beweis gestellt, "dass der olympische Glanz von London keine Eintagsfliege war".

Die Ergebnisse der Landessportlerwahl 2013 im Überblick:

Sportlerinnen
1. Miriam Welte (27, RSC Kaiserslautern)    22,13 Prozent
2. Angela Maurer (38, SSV Undine Mainz)     21,25 Prozent
3. Anna Bader (30, Mainzer Schwimmverein 01)   20,59 Prozent
4. Celia Sasic (25, SC 07 Bad Neuenahr/seit 1.7.13: FFC Frankf.) 19,25 Prozent
5. Hannelore Brenner (50, Reitclub Hofgut Petersau)   16,78 Prozent

Sportler
1. Raphael Holzdeppe (24, LAZ Zweibrücken)     23,39 Prozent
2. Kai Kazmirek (22, LG Rhein-Wied)     20,40 Prozent
3. Mathias Mester (27, 1. FC Kaiserslautern)    19,31 Prozent
4. Richard Schmidt (26, RV Treviris Trier)    19,12 Prozent
5. Peter Joppich (31, Coblenzer Turngesellschaft 1880)  17,78 Prozent

Teams
1. André Bugner/Benedikt Bugner (17/19, RSV Klein-Winternheim) 22,78 Prozent
2. Jason Osborne/Moritz Moos (19/19, Mainzer Ruderverein)  21,97 Prozent
3. FSV Kroppach        19,16 Prozent
4. ASV Mainz 88        18,74 Prozent
5. 1. MGC Mainz       17.34 Prozent

Nachwuchsförderpreis männlich
Lukas Baum (18 Jahre, Mountainbiker des RSC Neustadt - Junioren-Welt- und Europameister)

Nachwuchsförderpreis weiblich
Celina Leffler (17 Jahre, Leichtathletin des SSC Koblenz-Karthause - U18-Weltmeisterin im Siebenkampf)

Trainerpreis
Frank Ziegler (unter anderem Trainer von Miriam Welte)

Ein Video zur Landessportlerwahl finden Sie hier! 

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