Sportentwicklungsbericht für Rheinland-Pfalz erschienen

Sportvereine in Rheinland-Pfalz als Stabilitätselemente : Jährliche Wertschöpfung liegt bei 300 Mio.€ / 453.400 Ehrenamtler aktiv im Einsatz

2014 sportentwicklungsbericDie 6.300 Sportvereine in Rheinland-Pfalz mit ihren 1,5 Millionen Mitgliedschaften erweisen sich nach wie vor als anpassungsfähige Stabilitätselemente in einer sich schneller wandelnden Gesellschaft. So ist ihre gemeinwohlorientierte Grundausrichtung weiterhin ungebrochen gegeben. Zu diesem Fazit kommt Prof. Dr. Christoph Breuer vom Institut für Sportökonomie und Sportmanagement der Deutschen Sporthochschule Köln im Sportentwicklungsbericht 2013/14, einer Analyse zur Situation der Sportvereine in Deutschland. „Unsere Sportvereine sorgen für ein breites und vielfältiges Sportangebot. Sport in der Gemeinschaft ist und bleibt die Kernkompetenz unserer Vereine. Mehr als 450.000 Menschen engagieren sich in ihnen freiwillig und stellen als Vorstände, Übungsleiter oder Trainerinnen ein breites Angebotsspektrum sicher“, kommentierte LSB-Präsidentin Karin Augustin den jüngsten SEB. Die ausführlichen Ergebnisse des neuesten Sportentwicklungsberichtes für Rheinland-Pfalz und den Bund stehen ab sofort unter http://www.lsb-rlp.de/lsbrlp/daten-a-fakten/sportentwicklungsbericht

Auffällig ist, dass sich die Sportvereine in Rheinland-Pfalz nicht mit der Organisation eines einfachen Sportangebots begnügen, sondern besonderen Wert auf eine gemeinwohlorientierte Ausrichtung der Vereinsangebote legen. Besonders wichtig ist es den Vereinen laut der Studie, Werte wie Fair Play und Toleranz zu vermitteln, eine preiswerte Möglichkeit des Sporttreibens zu ermöglichen sowie Menschen mit Migrationshintergrund das Sporttreiben zu ermöglichen. So bieten 78,7 Prozent der rheinland-pfälzischen Sportvereine die Möglichkeit einer Familienmitgliedschaft (im Schnitt für 8,40 Euro/Monat im Vergleich zu 12 Euro/Monat im Bundesschnitt) an, dieser Anteil liegt deutlich über dem bundesdeutschen Schnitt (61,2 Prozent) und unterstreicht das Engagement der Vereine in Rheinland-Pfalz speziell für Familien. Aufgrund der steigenden Internationalisierung der Bevölkerung gewinnen die Leistungen der Sportvereine im Hinblick auf die Integration von Migranten zunehmend an Bedeutung. 76,5 Prozent der Vereine in Rheinland-Pfalz haben Migranten unter ihren Mitgliedern. Es fällt auf, dass der Anteil an Vereinen mit Migranten in Rheinland-Pfalz deutlich über dem gesamtdeutschen Schnitt liegt.

Eine zunehmende Anzahl an Vereinen in Rheinland-Pfalz kooperiert bei der Angebotserstellung mit zahlreichen weiteren Akteuren des Gemeinwohls, insbesondere mit anderen Sportvereinen (35 %) und Schulen (34,1 %). Aber auch Kooperationen mit weiteren Einrichtungen wie Verbänden, diversen öffentlichen Einrichtungen sowie Kinder- und Jugendeinrichtungen gewinnen für Vereine in Rheinland-Pfalz vermehrt an Bedeutung.

Ohne die Sportvereine wäre Leistungssport in Rheinland-Pfalz kaum denkbar. 13,6 % bzw. rund 860 Vereine haben Kaderathleten auf D, D/C-, C-, B- oder A-Kaderebene in ihren Reihen und bilden somit eine wichtige Basis für den Leistungs- und Hochleistungssport. Im Vergleich zu 2011 (12,1 %) ist ein Anstieg an Vereinen mit Kaderathleten in Rheinland-Pfalz zu verzeichnen. Grundsätzlich immer wichtiger wird der Bereich des Gesundheitssports. Die Sportvereine in Rheinland-Pfalz leisten schon jetzt einen enormen Beitrag zur Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. So bieten insgesamt über 40 % und damit deutlich mehr als im bundesweiten Vergleich (32 %) der Vereine Programme mit den Zielsetzungen der Gesundheitsförderung, Prävention und Rehabilitation an.

Jeder Ehrenamtliche in rheinland-pfälzischen Sportvereinen ist durchschnittlich 14,5 Stunden pro Monat für seinen Verein tätig. Landesweit ergibt sich bei 115.100 ehrenamtlichen Positionen auf der Vorstands- und der Ausführungsebene (70 % Männer, 30 % Frauen) daraus eine Arbeitsleistung von rund 1,67 Millionen Stunden, die in den Sportvereinen in Rheinland-Pfalz jeden Monat für gemeinwohlorientierte Zwecke erbracht werden. Daraus ergibt sich eine monatliche Wertschöpfung von rund 25 Millionen bzw. eine jährliche Wertschöpfung von rund 300 Millionen Euro durch ehrenamtliches Engagement in den Vereinen. Nicht berücksichtigt sind dabei die Leistungen der 338.300 freiwilligen Helfer, die sich bei Vereinsfesten, Renovierungen, Wettkämpfen, etc. engagieren. Addiert man die Freiwilligen zu den Personen mit einer ehrenamtlichen Position, so ergibt dies eine Gesamtzahl von gut 453.400 Ehrenamtlichen in rheinland-pfälzischen Sportvereinen.

Insgesamt ist die Anzahl an ehrenamtlich Engagierten auf der Vorstandsebene in Rheinland-Pfalz rückläufig, wohingegen sich die Anzahl an ehrenamtlichen Positionen auf der Ausführungsebene seit 2009 stabil zeigt. Bei allen bemerkenswerten Leistungen, die die Sportvereine in Rheinland-Pfalz erbringen, darf nicht übersehen werden, dass die Situation der Vereine nicht frei von Problemen ist. Besonders stark in ihrer Existenz bedroht fühlen sich die Vereine durch das Problem der Bindung und Gewinnung ehrenamtlicher Funktionsträger, jugendlicher Leistungssportler, Schieds- bzw. Kampfrichtern sowie Übungsleitern und Trainern, aber auch von normalen Mitgliedern. Zu schaffen machen den Klub aber auch die Kosten des Wettkampfbetriebs, die finanzielle Situation ihres Vereins oder die zeitliche Verfügbarkeit der Sportstätten. Zudem besteht hinsichtlich der demographischen Entwicklung in den Regionen Unterstützungsbedarf ebenso wie aufgrund der zeitlichen Auswirkungen der Ganztagsschulen bzw. des G8 auf den Trainingsbetrieb. Insgesamt liegt der Anteil an rheinland-pfälzischen Sportvereinen mit mindestens einem existenziellen Problem bei 37,8 Prozent.

Auf die Knappheit ehrenamtlichen Engagements in Sportvereinen in Rheinland-Pfalz deuten längere reale Amtszeiten und ein erhöhter Altersdurchschnitt speziell auf der Vorstandsebene im bundesweiten Vergleich hin. Arbeitsintensiv sind insbesondere die Positionen des Vorsitzenden sowie des Schatzmeisters bzw. des Kassierers. Auffällig ist, dass im Vergleich zu 2009 signifikant weniger Menschen mit Migrationshintergrund ehrenamtlich in den Sportvereinen in Rheinland-Pfalz engagiert sind.

Hintergrund: Die Sportentwicklungsberichte – „Analysen zur Situation der Sportvereine in Deutschland“ stellen eine Weiterentwicklung der Finanz- und Strukturanalysen des deutschen Sports (FISAS) dar mit dem Ziel, die Entscheidungsträger im organisierten Sport sowie in der öffentlichen Sportpolitik und -verwaltung zeitnah mit politikfeld- und managementrelevanten Informationen zu versorgen. Mit Hilfe dieser Unterstützung soll die Wettbewerbsfähigkeit des organisierten Sports in Zeiten eines dynamischen sozialen Wandels gestärkt werden. Methodischer Kerngedanke der Sportentwicklungsberichte ist der Aufbau eines Paneldesigns, d.h. die gleichen Sportvereine sollen alle zwei Jahre zu ihrer Situation befragt werden. Als Methode kam wie bereits bei den ersten vier Wellen eine Online-Befragung zum Einsatz. Die Erhebung dieser fünften Welle wurde vom 23.09.2013 bis 10.12.2013 durchgeführt. Als Grundlage für die Stichprobe dienten die von den Landessportbünden zur Verfügung gestellten Emailadressen der Vereine. Von den insgesamt 6.290 Sportvereinen in Rheinland-Pfalz wurden 3.087 Sportvereine per Email zur Befragung eingeladen. Insgesamt konnten n=1.125 Interviews realisiert werden, was einem Rücklauf von 37,4 % entspricht – dies ist der Spitzenwert unter allen Bundesländern.

Drucken E-Mail