Engagement-Management als zyklischer Prozess

5. Ehrenamtsforum des LSB bei der SCHOTT AG in Mainz gibt wertvolle Denkenanstöße und viele Praxistipps

2013 sebastian braun f schoHauptredner beim 5. Ehrenamtsforum des LSB: Der Sportsoziologe Prof. Dr. Sebastian Braun. Foto: Schott AG/A. SellUm engagierte Jugendliche als Ehrenamtler zu gewinnen, zu lenken und zu binden, ist ein systematisches Engagement-Management notwendig. Das erläuterte Prof. Dr. Sebastian Braun von der Humboldt-Universität Berlin am Freitagabend beim 5. Ehrenamtsforum, zu dem der Landessportbund Rheinland-Pfalz (LSB) in die Räumlichkeiten des Technologiekonzerns SCHOTT AG nach Mainz geladen hatte.

Vor mehr als 100 Zuhörern, darunter viele Mitglieder rheinland-pfälzischer Vereine und Verbände, stellte Braun empirische Ergebnisse zum freiwilligen Engagement insbesondere von Jugendlichen im Sport vor. Demnach zeigen die Daten in der letzten Dekade einen ausgesprochen starken Rückgang – nicht zuletzt aufgrund eines gesellschaftlichen Strukturwandels des Ehrenamtes. Vor dem Hintergrund der sinkenden Engagementquoten der 14- bis 24-Jährigen im Sport sprach der Sportsoziologe von einer „dramatischen Erosion“. Das Engagement-Management im Sportverein beschrieb Braun als zyklischen Prozess, in dem ein erfahrener Engagement-Manager als Gestalter dieses Zyklus' die zentrale Rolle spiele. Um genügend Ehrenamtler zu akquirieren, müssten sich Vereine zunehmend Gedanken darüber machen, wie sie an bildungsfernere Gruppen herankommen, deren Eigenantrieb, sich im öffentlichen Raum zu engagieren, sich in Grenzen halte.

Ein Modell zur systematischen Ehrenamtsförderung skizzierte Dr. Daniel Illmer von der Führungsakademie des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Wie Illmer, der sich selbst seit 20 Jahren ehrenamtlich engagiert und das Forum auch moderierte, bekräftigte, ist Ehrenamtsförderung kein Zustand, sondern ein Prozess. Der ehemalige Pressewart des Sportkreises Frankfurt sprach von einer „Daueraufgabe – etwas, das man immer machen muss“. Das Thema „Förderung des Ehrenamts“ habe sich nicht irgendwann erledigt, sondern stehe permanent auf der Agenda. Um Ehrenamtsförderung betreiben zu können, sei eine „systematische, geplante und langfristige Herangehensweise sinnvoll“. Kernelement von Ehrenamtsförderung sei die Organisationskultur. „Gut aufgestellte Vereine, die ein klares Konzept haben, klare Ziele vertreten und andere Menschen für sich begeistern können, haben in der Regel kein Problem, neue Ehrenamtler zu finden.“ Eine Idee sei auch, ein „Ehrenamt auf Probe“, in das man zum Beispiel 100 Tage unverbindlich reinschnuppern könne. Empfehlenswert sei es nicht zuletzt, in Aus- und Weiterbildung zu investieren - dies müsse gar nicht teuer sein – sowie die Arbeit der  Ehrenamtlern anzuerkennen und sie zu belohnen.

Im Anschluss an die beiden Impulsvorträge berichteten Präsident Wolfgang Bärnwick von der Spvgg. Ingelheim (einem reinen Fußballverein) und Rolf Gäbler, stellvertretender Vorsitzender und Vertrauenscoach der sehr breit aufgestellten TGM 1861 Mainz-Gonsenheim aus der täglichen Praxis, ehe sich das fachkundige Publikum an fünf Thementischen rund um die ehrenamtliche Vereinskultur austauschte.

„Rheinland-Pfalz ist gemeinsam mit Baden-Württemberg bundesweit führend in Sachen Ehrenamt“, betonte LSB-Präsidentin Karin Augustin. „Das macht uns stolz und wir wollen die Politik sensibilisieren, dass wir Unterstützung und Förderung brauchen, damit wir das weiterführen und sicherstellen können, dass wir viele Menschen finden, die mit Herzblut ihren Einsatz in Vereinen und Verbänden zu ihrem Lebenswerk machen.“ In den Augen von Augustin muss man konstatieren, dass das Ehrenamt in Zukunft anders aufgestellt sein wird. „Dass wir das Ehrenamt vielleicht anders strukturieren und gestalten müssen und dass es andere Möglichkeiten geben muss, sich in Projekten zeitlich begrenzt zu engagieren.“

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