„Silberne Sterne des Sports“: SV 1929 Lohrheim fährt zum Bundesfinale nach Berlin

Mit gutem Netzwerk, pfiffigen Ideen und viel Herzblut zum Erfolg / „Kleiner Stern in Silber“ für TV Eintracht Cochem und Verein für Herzsport und Bewegungstherapie Trier/Gesundheitspark Trier

Überglücklich:Die Verantwortlichen des Siegervereins SV 1929 Lohrheim um den Vorsitzenden Michael Schön (Bildmitte kniend mit schwarzem Hemd) sowie die Vertreter der betreuenden Volksbank Rhein-Lahn-Limburg. Mit ihnen freuen sich unter anderem Monika Sauer (Präsidentin Sportbund Rheinland/r.) und Staatssekretär Randolf Stich (3.v.r.). Foto: Franz FenderGroßer Jubel beim SV 1929 Lohrheim: Der Verein aus der 582-Einwohner-Gemeinde im Rhein-Lahn-Kreis ist der 2019er Gewinner des „Großen Stern des Sports“ in Silber für Rheinland-Pfalz. Der mit 2.500 Euro dotierte Preis wurde dem SVL von den Volksbanken Raiffeisenbanken des Landes, dem Landessportbund sowie der Landesregierung am Donnerstagabend im Festsaal der Mainzer Staatskanzlei für sein Projekt „BewegungsArt 4.0“ überreicht. SVL-Vorsitzender Michael Schön nahm die mit 2.500 Euro dotierte Auszeichnung persönlich entgegen. Über je einen „Kleinen Stern in Silber“ durften sich der TV Eintracht 1862 Cochem Lauftreff als Zweitplatzierter und der Verein für Herzsport und Bewegungstherapie Trier/Gesundheitspark Trier auf Platz drei freuen. Von der Fachjury mit Förderpreisen dekoriert wurden TV 1863 Worms-Leiselheim, Spielvereinigung Gauersheim und LG Pronsfeld-Lünebach.

Insgesamt wurden von den Volksbanken Raiffeisenbanken Preisgelder in Höhe von 6.500 Euro vergeben. Spannende Frage: Was ist das Tolle am Projekt der Lohrheimer? Der Reihe nach. Alles fing 2011 mit einem Fußballplatz an, der nicht mehr bespielt wurde – und wieder nachhaltig sportlich genutzt werden sollte. Daraus entstand eine Kooperation zwischen dem Sportverein und dem Kreml Kulturhaus, die sich zu einer wahren Erfolgsgeschichte entwickelte. „BewegungsArt 4.0 – Sport und Kultur. Neue jugend-kulturelle Bewegungs- und Ausdrucksformen" heißt die gemeinsame Initiative, die sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene richtet. Neben Trendsportarten wie Einrad, Parkour, Artistik und Akrobatik gibt es künstlerische Angebote wie Graffiti- und Gestaltungs-Workshops. 2018 wurde eine Kalt-Halle errichtet, so dass die Kurse auch im Winter fortgeführt werden können. Dem Verein haben die neuen Sportangebote viele junge Mitglieder beschert. „Was in den letzten zehn Jahren hier gewachsen ist, ist schon beachtlich“, konstatierte SVL-Boss Schön. „Wenn man das ganze sieht, staune ich selbst.“ Die SVL-Initiative versetzte auch die hochkarätig besetzte Jury mit Vertretern des Landes RLP, des LSB, der Volksbanken Raiffeisenbanken sowie Sportlern und Journalisten in Erstaunen. Das Gremium erklärte das Lohrheimer Projekt unter insgesamt 130 allesamt mit Herzblut eingereichten Bewerbungen zum Gewinner des „Großen Sterns des Sports“ in Silber – und damit zum 2019er Sieger in Rheinland-Pfalz.

Für die Lohrheimer geht der Wettbewerb nun auf Bundesebene weiter. Der Verein wird Rheinland-Pfalz bei der Vergabe der „Sterne des Sports“ in Gold vertreten. Die werden am 21. Januar 2020 von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin verliehen – für Insider so etwas wie die „Oscar-Verleihung des Breitensports“. Gleichzeitig ist der Vorzeigeverein nominiert für den Publikumspreis.

Als der Sieger um 18.28 Uhr bekannt gegeben wurde, konnte es Michael Schön gar nicht fassen. Ungläubig schüttelte der Vorsitzende das Haupt. Dann stand er auf, raufte sich dezent die Haare. Zwei Minuten später beim Siegerfoto strahlen alle Lohrheimer über das ganze Gesicht. „Ich bin fast sprachlos“, gestand Schön. „Man träumt immer so ein bisschen rum. Das wir jetzt wirklich gewonnen haben, ist einfach klasse.“ Man sei nur „eine kleine Gruppe“, die versuche, „die Gegend zu beleben mit Kultur, Bewegung und allen möglichen Inhalten – und wir sind schon sehr zufrieden mit dem, was wir tun“.

Zu den ersten Gratulanten gehörten neben dem für den Sport zuständigen Staatssekretär Randolf Stich auch Barbara Bug-Naumann, Generalbevollmächtigte der Mainzer Volksbank eG,, als Vertreterin der genossenschaftlichen Bankengruppe in RLP sowie der kommissarische LSB-Präsident Jochen Borchert, die Seite an Seite die Ehrungen vornahmen. Auch wenn der SV 1929 Lohrheim den Vogel abschoss, bestand für die anderen Vereine keinerlei Grund, Trübsal zu blasen. „Jeder, der heute Abend hier ist, hat bereits gewonnen“, brachte es Ralf W. Barkey, Vorstandschef des Genossenschaftsverbandes, auf den Punkt. Alle Vereine seien echte Gewinner, hätten diese Auszeichnung mehr als verdient, unterstrich auch Stich. „Mit den ‚Sternen des Sports‘ zeichnen wir Vereine aus, die sich mit außergewöhnlichen Projekten und sozialem Engagement ganz besonders für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft einsetzen“, sagte der Staatssekretär. „In den Vereinen werden Tugenden wie Ehrlichkeit, Fairness und Respekt vermittelt, die im Sport eine Selbstverständlichkeit sein sollten.“ Die Vereine machten sich für ihre Mitmenschen stark, ermöglichten Teilhabe und seien ein Gewinn für die Gesellschaft. „Die Förderung des Breitensports ist das Wichtigste, das es gibt“, machte der kommissarische LSB-Präsident Borchert im Plausch mit SWR-Moderator Christian Döring deutlich. „Es ist die Basis, es ist die Stütze für die Gesellschaft. Was in unseren Vereinen mit ihren 400.000 Ehrenamtlichen tagtäglich abgeht, ist enorm und verdient unser aller Anerkennung.“ Barbara Bug-Naumann von der Mainzer Volksbank wies darauf hin, dass „gute Ideen nicht unbedingt von der finanziellen Ausstattung des Vereins abhängig“ sind. Beeindruckend sei gewesen, wie viele verschiedene Ideen man an diesem Abend erlebt habe.

Die Jury bestand aus Walter Benz (Vizepräsident Sportbund Pfalz), Michael Desch (Ministerium des Innern und für Sport RLP), Thomas Biewald (Sportbund Rheinhessen), Holger Kühner, Christian Döring (beide SWR), Olaf Holzbach, (RPR1), Barbara Berg (Sportbund Rheinland), Udo Drechsel (Genossenschaftsverband – als Vertreter der Volksbanken Raiffeisenbanken). Michael Heinze

DIE PREISTRÄGER
1. Platz (2.500 Euro): SV 1929 Lohrheim, ausgezeichnet für die Initiative „BewegungsArt 4.0 – Sport und Kultur. Neue jugendkulturelle Bewegungs- und Ausdrucksformen“, begleitet von der Volksbank Rhein-Lahn-Limburg eG

2. Platz (1.500 Euro): TV Eintracht 1862 Cochem, ausgezeichnet für das Projekt des Lauftreffs „Mondlauf ist Teamgeist – gemeinsam mehr bewegen“, begleitet von den Volksbanken Raiffeisenbanken Cochem Zell

3. Platz (1.000 Euro): Verein für Herzsport und Bewegungstherapie Trier/Gesundheitspark Trier, für die Aktion „Integration durch Prävention“, begleitet von den Volksbanken Raiffeisenbanken

Förderpreis (500 Euro): TV 1863 Worms-Leiselheim, ausgezeichnet für die Initiative „Bounce against cancer – Bewegung gegen Krebs“, begleitet von der Volksbank Alzey-Worms eG

Förderpreis (500 Euro): Spielvereinigung Gauersheim, ausgezeichnet für die Aktion „Errichtung eines Sport- und Spieleparks“, begleitet von der Volksbank Alzey-Worms eG

Förderpreis (500 Euro): LG Pronsfeld-Lünebach, ausgezeichnet für den Benefizlauf für krebskranke Kinder „Dir gehört mein Herz“, begleitet von der Raiffeisenbank Westeifel eG

HINTERGRUND
Die „Sterne des Sports“ sind eine Initiative des Deutschen Olympischen Sportbundes und der Volksbanken Raiffeisenbanken. Sie zeichnen Sportvereine und ihre vielen ehrenamtlichen Helfer für ihr gesellschaftliches Engagement aus. Mit ihren Angeboten fördern sie Kinder und Jugendliche, tragen zum Schutz der Gesundheit bei, unterstützen Familien oder dienen einem besseren Miteinander. Es sind große Leistungen, die immer noch zu wenig öffentliche Anerkennung finden. Die „Sterne des Sports“ würdigen diese. Alle Nominierten für die „Sterne des Sports“ in Silber sind Preisträger des „Großen Stern des Sports“ in Bronze und haben sich somit über einen Sieg auf lokaler Ebene für den Wettbewerb auf Landesebene qualifiziert.