Netzwerktreffen „Inklusion im Sport“ in Ingelheim als Inspiration für Vereine und Verbände

Gut 30 Protagonisten nutzen die Chance zum fachlichen Austausch / Motto: „Nicht ohne uns über uns“

Die Organisatoren des Netzwerktreffens (v.l.): Silvia Maria Wenzel (LSB-Koordinierungsstelle Inklusion), Claudia Altwasser (LSB-Vizepräsidentin Gesellschaftspolitik), Katharina Pape (LSB-Inklusionsmanagerin) und Oliver Kalb (LSB-Abteilungsleiter Gesellschaftspolitik). Foto: M. HeinzeDurch die Vernetzung und Kooperation zwischen den Teilnehmern neue Ideen entwickeln und strukturelle Rahmenbedingungen und Handlungsmöglichkeiten thematisieren: Darum drehte es sich am Mittwoch beim „Netzwerktreffen Inklusion im Sport“ der Steuerungsgruppe „Inklusion im Sport“, das im Weiterbildungszentrum Ingelheim im Rahmen der ersten Inklusionswoche des rheinland-pfälzischen Sports über die Bühne ging. „Ziel ist es, den Protagonisten Inspirationen mitzugeben und Ideen zu generieren, um dann die Integration auch in den eigenen Strukturen voranzutreiben“, schickte Moderator Dennis Baufeld, Wissenschaftlicher Referent bei der Führungsakademie des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), voraus. Das Ziel ging auf. Mehr als 30 Vertreter von Verbänden und Vereinen nutzten die Chance, sich in zwei intensiven Workshop-Phasen angeregt auszutauschen, ihre Standpunkte darzulegen und Best-Practice-Beispiele zu skizzieren.

In Workshop-Phase I ging es um eine erste Standortbestimmung, wo sich die Verbände auf einer Skala von Eins bis Zehn eigentlich einordnen auf dem Feld der Inklusion – und wo sie hinwollen. In Workshop-Phase II wurden konkrete Themen vertieft. „Viele Vereine sagen uns, dass sie das Thema nicht mehr hören können – weil sie es seit 30 Jahren leben und damit viel länger, als es den Begriff der Inklusion gibt“, bilanzierte Olaf Röttig, Geschäftsführer des Behinderten- und Rehabilitationssportverbandes RLP und Mitglied der Steuerungsgruppe. Um die Zielgruppen auch zu erreichen, ist es laut Oliver Kalb, LSB-Abteilungsleiter für Gesellschaftspolitik, zum einen wichtig, Übungsleiter, Trainer oder Vereinsvorstände zu sensibilisieren und ihnen die Ängste zu nehmen. „Wir müssen aber auch den Fokus auf die Menschen mit Behinderungen legen – dass man sie im Grunde genommen abholt.“ Dies habe auch ein Stück weit mit Öffentlichkeitsarbeit zu tun. Vielleicht müsse man noch einmal „eine Art Werbeoffensive starten“ bzw. „ein gebündeltes Paket“ auf den Weg bringen. Laut Michael Bergweiler, Geschäftsführer von Special Olympics RLP und Mitglied der Steuerungsgruppe, müssen die Verbände in ihrer Rolle als Dienstleister gestärkt werden.

Wie Silvia Maria Wenzel von der Koordinierungsstelle Inklusion beim LSB deutlich machte, leben in Rheinland-Pfalz 338.781 Menschen mit Behinderung. „Das sind 9,5 Prozent – also keine kleine Menge und auch gar keine Randgruppe, sondern eine ganz schön große Zahl“, sagte Wenzel. Viele dieser Menschen hätten Schwierigkeiten, ihre Lieblingssportart auszuüben. „Weil sie nicht zu ihren Sportarten kommen, weil der Weg zu den Sportstätten zu lang ist oder weil die Angebote nicht barrierefrei oder die Übungsleiter nicht ausreichend geschult sind.“ Dem wolle die Steuerungsgruppe aktiv entgegenwirken und mehr Angebote schaffen. Um Rheinland-Pfalz inklusiver zu machen. „Unser gemeinsames Ziel ist mehr Inklusion im Sport“, bekräftigte Wenzel. „Dafür haben wir uns verschiedene Maßnahmen und Angebote überlegt.“ Als Beispiele nannte sie die Motivationsprämie oder auch die Inklusionsplattform, die noch lange nicht vollständig sei.

Nicht zu vergessen die 14 neuen Sport-Inklusionslotsen, die ab Januar als Kümmerer zwischen Vereinen und Institutionen der Behindertenhilfe wie Behindertenwerkstätten agieren werden, wie LSB-Inklusionsmanagerin Katharina Pape erläuterte. „Mittlerweile haben wir schon zwei Schulungen durchgeführt – die dritte steht am Freitag an“, sagte Pape. „Die Lotsen haben hier die Strukturen des Sports kennengelernt und versucht herauszufinden, wo es in Rheinland-Pfalz noch hapert in Sachen Inklusion.“ Jetzt sollten sie sich auf Minijob-Basis als Brückenbauer in den Regionen betätigen. Damit Menschen mit Behinderung wohnartnah selbstbestimmt Sport treiben können. Sinn und Zweck des finalen Treffens sei die Abstimmung der Lotsen untereinander, welche Vereine und Verbände sie betreuen und wer wem künftig als Ansprechpartner zur Verfügung stehen wird.

Claudia Altwasser, LSB-Vizepräsidentin Gesellschaftspolitik, zog ein rundum positives Fazit des Netzwerktreffens. „Es gibt viele super Projekte und tolle Ideen, die dahinter stecken – aber immer zu wenig Geld“, so Altwasser. „Ich habe gemerkt, dass es ganz, ganz viele Hindernisse gibt. Und wenn man ein Hindernis aus dem Weg geschafft hat, kommt das nächste – wir sind also nie am Ende.“ Laut Abteilungsleiter Kalb ist „im Inklusions-Werkzeugkasten schon einiges drin, was man nutzen kann. Ich habe aber auch gemerkt, dass hier noch ein ganzes Stück Platz drin ist – das Ding muss schwerer und voller werden“. In den Augen von Silvia Maria Wenzel müssen Fortbildungen fachspezifischer werden. Ihr Wunsch sei es, „dass wir das, was wir aufgebaut haben, weiter lebendig halten. Damit der Kontakt untereinander bestehen bleibt und wir unser Netzwerk auch in Zukunft nutzen“. Rege Zustimmung gab es nicht zuletzt für das knackige Fazit von BSV-Geschäftsführer Röttig. Demnach muss das Motto künftig lauten: „Nicht ohne uns über uns“.