Verbandsförderung ändert sich

50 Funktionäre bei der Tagung der Leistungssportbeauftragten in Mainz mit von der Partie / Auch Talententwicklung und Prävention sexualisierter Gewalt auf der Agenda

Lauschten den Referenten angespannt: Die Leistungssportbeauftragten der Landesfachverbände beim Jahrestreffen im Haus des Sports in Mainz. Foto: M. HeinzeKontrovers diskutiert wurde am Mittwochabend bei der Tagung der Leistungssportbeauftragten der Landesfachverbände des LSB der konzeptionelle Entwurf der künftigen Sportartenbewertung in Rheinland-Pfalz. Außerdem standen die Talententwicklung sowie die Prävention sexualisierter Gewalt im Mittelpunkt des Abends. Wie Thomas Kloth, LSB-Abteilungsleiter für den Leistungssport, vor 50 Funktionären erläuterte, hat sich die im Jahr 2009 erarbeitete „Rahmenrichtlinien zur Förderung des Nachwuchsleistungssports“, die auf der 1998 erstellten Rahmenkonzeption des Landesausschusses Leistungssport aufbaut, schrittweise bei den Landessportbünden zu einem anerkannten und erprobten Konzept für eine Kriterien geleitete Bewertung der Nachwuchsförderung entwickelt.

Nach wie vor bildeten die bewährten Aspekte der „Rahmenrichtlinien zur Förderung des Nachwuchsleistungssports“ innerhalb der Nachwuchsförderung einen Baustein mit hoher Priorität. „Das Konzept stellt einen national einheitlichen Rahmen zur Bewertung und Förderung der Sportarten und Disziplinen im Nachwuchsleistungssport in den Ländern dar“, betonte Kloth. Die in Rheinland-Pfalz geplante Anpassung der Verbandsförderung soll zum 1. Januar 2021 umgesetzt werden.

„Die Sportarten mit einem Bundesstützpunkt in RLP werden von höheren Fördermitteln profitieren“, kündigte Kloth bereits „Verschiebungen“ an und skizzierte Rechenbeispiele in punkto Strukturbedingungen und Leistungssportpersonal. Der Abteilungsleiter wörtlich: „Sportarten, die strukturell und von der Leistungsbilanz erfolgreich arbeiten, sollen belohnt werden.“

Ein ewig junges Thema stellt auch die Talententwicklung dar. Laut Prof. Dr. Mark Pfeiffer, am Institut für Sportwissenschaft der Uni Mainz Leiter des Fachbereichs „Theorie und Praxis der Sportarten“, muss man in der Grundschule die Affinität für eine lebenslange Bewegungsbiografie setzen. Wichtig sei es, frühzeitig die Bewegungspräferenz eines Kindes herauszufinden, sagte Pfeiffer mit Blick auf den Flämischen Sportkompass, den er dem Plenum vorstellte. An Ganztagsgrundschulen könne man den Dritt- und Viertklässlern in den Nachmittags-Sport-AGs Sportarten prima näher bringen, die sie noch nicht kennen und zu denen sie noch keinen Bezug haben. Ziel müsse sein, den Pool der Jungen und Mädchen zu erhöhen, die mehr Bewegungspräferenzen kennenlernen. Der organisierte Vereinssport müsse sich öffnen, damit die Kids mehrere Sportarten durchlaufen und sich dort austesten können. Stichwort: Mehrspartensportpass. Wobei laut Pfeiffers Recherchen „die meisten derjenigen, die später Weltmeister geworden sind, in der dritten und vierten Klasse noch mehrere Sportarten nebeneinander gemacht“ hätten. „Als LSB sollte man darauf drängen, dass die Regelschulen bei sportlichen Kooperationsprojekten nicht hinten runter fallen“, forderte ein Gymnasiallehrer unter den Leistungssportbeauftragten – und erntete breite Zustimmung.

Wie Pfeiffer darlegte, besteht in der ersten Projektphase 2019 das Ziel darin, eine Expertise zu aktuellen Konzepten der Talentförderung zu erstellen, die einen Überblick zu bestehenden Ansätzen und deren wissenschaftlicher Bewertung sowie eine Analyse der wissenschaftlichen Fundierung umfasst. In den Blick genommen werden Vereine, Schulen, Leistungszentren, Fachverbände und deren Beitragsfähigkeit zu den Aufgaben der Talententwicklung. Das übergeordnete Ziel des Projekts: Ein Talententwicklungskonzept für Rheinland-Pfalz zu erstellen, gemeinsam mit den Partnern umzusetzen und wissenschaftlich zu begleiten. „Noch ist nicht alles in Stein gemeißelt“, machte Kloth deutlich. „Wir haben uns auf den Weg gemacht – der Weg ist noch lang.“ Dass man das Konzept in RLP in den nächsten zehn Jahren nicht flächendeckend umgesetzt bekomme, darüber müsse man sich im Klaren sein. „Letztlich werden wir unsere Landespolitik nur überzeugen, wenn wir Ergebnisse haben, die sich auch mit RLP in Verbindung bringen lassen…“

Oliver Kalb, beim LSB der Fachmann für die Prävention sexualisierter Gewalt im Sport, appellierte an jeden einzelnen im Publikum, bei Grenzverletzungen in der Grauzone – Fotografien, Berührungen usw. – genauer hinzusehen. Täter vernebelten ihr komplettes Umfeld total und benutzten auch das Instrument der Einschüchterung. „In Vereinen mit einer Kultur des Hinsehens ist die Gefahr sexualisierter Gewalt signifikant geringer“, verdeutlichte Kalb. Vereine oder Verbände, die eine Qualifizierungsmaßnahme durchgeführt hätten, hätten auf viele potenzielle Täter eine abschreckende Wirkung. Gemeinsames Ziel für die Zukunft sei es, rheinland-pfälzische Vereine und Verbände für das schwierige Thema zu sensibilisieren und dafür zu sorgen, dass vor Ort Schutzmaßnahmen verankert werden. Wiederholt bot Kalb den Verbandsvertretern seine Hilfe an – man könne für alles eine Lösung finden…