Aus dem Westerwald aufs Olympia-Podest

Jacqueline Löllings Triumphfahrt zur Silbermedaille bei den Winterspielen in Südkorea

Strahlende Medaillengewinnerin: Jacqueline Lölling mit dem Edelmetall. Foto: LSB/imagoJacqueline Lölling (22) aus Brachbach im Kreis Altenkirchen gewinnt am 17. Februar 2018 bei den Olympischen Spielen im südkoreanischen Pyeongchang die Silbermedaille im olympischen Skeletonrennen. Um 22.19 Uhr koreanischer Zeit geht sie nach drei von vier Läufen als Drittletzte an den Start. Zu diesem Zeitpunkt liegt sie, die zur Halbzeit noch knapp geführt hatte, 0,10 Sekunden hinter der führenden Österreicherin Janine Flöck und 0,08 Sekunden hinter der Engländerin Lizzy Yarnold. Lauf drei war weniger gut. Doch nun das Finale. Reine Nervensache. Der wichtigste Lauf ihres Lebens. 2017 und 2018 hat sie den Weltcup gewonnen. Die Angehörige der Sportfördergruppe der Bundespolizei ist Welt- und Europameisterin. Sie ist eine der besten der Welt und auch eine der Favoritinnen auf Gold.

Die Engländerin Laura Deas hat vorgelegt. Ihre Endzeit: 3:27,90 Minuten. Dann kommt Lölling. Ihre Startzeit ist 5,42 Sekunden. Nicht überragend, aber normal für sie. Ihr Lauf wird immer schneller. Und dann Kurve neun. Die Problemkurve in Lauf 3. Dieses Mal klappt es. Jacqueline nimmt an Fahrt zu. Sie rast über die Bahn. Die Uhr springt von rot auf grün. Sie ist vorn. Bei 3:27,73 Minuten für vier Läufe bleibt die Uhr stehen. Das ist 0,17 Sekunden schneller als die Engländerin. Eine Medaille ist bereits sicher. Der Jubel ist grenzenlos. Jacqueline Lölling ist mindestens im siebten Himmel.

Die nächste Engländerin folgt. Lizzy Yarnold, vor vier Jahren bereits Olympiasiegerin. Routiniert. Und souverän. Sie fährt 3:27,28 Minuten. Das ist mindestens Silber. Und dann die Führende nach drei Läufen. Die Österreicherin Janine Flock. Sie zeigt Nerven, rumpelt durch die Bahn und verliert. Am Ende stehen 3:27,92 Minuten. Der vierte Platz. Von eins auf vier. Jubel und tiefe Trauer liegen bei Olympia ganz eng beieinander.

Flöcks Pech ist das große Glück für Jacqueline Lölling. Sie hat die Silbermedaille. Alle Dämme brechen. Eine Engländern, dann eine Deutsche (aus dem Westerwald) und wieder eine Engländerin, das ist die Reihenfolge.

Nicht Gold, aber grandioses Silber für Jacqueline Lölling aus Brachbach im Kreis Altenkirchen. Ein phänomenales Sportdorf. 1972 bei den Spielen in München hat der Brachbacher Peter Hussing die Bronzemedaille im Boxen gewonnen. 46 Jahre später gewinnt Jacqueline Lölling Silber im Skeleton. Und für Gold hat sie bei mindestens noch zwei weiteren Teilnahmen an Olympischen Spielen Zeit.

Es ist ein unbeschreiblicher Abend in Südkorea, ein fulminanter am frühen Nachmittag in Deutschland, auf dem Westerwald, in Brachbach. Was wird das für ein Empfang werden für die erfolgreiche, sympathische und intelligente junge Sportlerin, die bei der wichtigsten Veranstaltung, die der Sport zu bieten hat, Größe zeigte und Glanz verbreitete.

Skeleton, die scheinbar noch junge Sportart, hat eine alte olympische Tradition. Bei den Winterspielen 1928 und 1948, jeweils im schweizerischen St. Moritz, stand die Sportart auf dem Programm. Dann war 54 Jahre Pause. 2002 in Salt Lake City war Skeleton dann wieder auf dem olympischen Tableau und blieb es bis heute. Und schon einmal gewann eine deutsche Skeletonfahrerin aus der Region eine olympische Medaille. Kerstin Szymkowiak, 1977 in Siegen als Kerstin Jürgens geboren, war Leichtathletin beim USC Mainz, bevor sie sich dem Skeletonsport zuwandte. 2005 wurde sie Europameisterin und am 19. Februar 2010 bei den Olympischen Spielen im kanadischen Vancouver gewann sie die Silbermedaille. Wie Jacqueline Lölling startete auch sie für die RSG Hochsauerland, weil es in Rheinland-Pfalz bekanntlich keine Eislaufbahnen gibt.

Und noch eine ehemalige Leichtathletin aus Rheinland-Pfalz gewann eine olympische Medaille im Wintersport. Ulrike Holzer, Sprinterin und Weitspringerin für den USC Mainz, wechselte zu den Bobfahrern und gewann bei den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City Silber im Zweierbob.