„Nachhaltigkeit ist kein Add-on“

LSB-Forum „Die Sporthalle der Zukunft“ über bedarfsgerechte Sportstättenkonzeptionen in Koblenz

Sportlich aktiv und gut gelaunt: Die Referenten (vorne links Prof. Dr. Natalie Eßig) und Teilnehmer (vorne Mitte Wolfgang Scheib, Vizepräsident Sportbund Rheinland) beim LSB-Forum „Sporthalle der Zukunft“ in Koblenz. Foto: M. HeinzeWenn man von einer zukunftsfähigen Sporthalle spricht, sollte man sich intensiv mit Nachhaltigkeitskriterien auseinander setzen: Das machte Prof. Dr. Natalie Eßig von der Architektur-Fakultät der Hochschule München beim Forum „Die Sporthalle der Zukunft – Bedarfsgerechte Sportstättenkonzeptionen“ deutlich, zu dem der Landessportbund in Kooperation mit dem Städtetag, dem Gemeinde- und Städtebund sowie dem Landkreistag Rheinland-Pfalz und dem Institut für Sportstättenentwicklung (ISE) in die Räumlichkeiten des Sportbundes Rheinland nach Koblenz geladen hatte.

„Nachhaltigkeit ist kein Add-on, sondern integraler Bestandteil im Planungsprozess“, betonte die Wissenschaftlerin, die bei ihrem Abriss über „Kriterien für nachhaltige Planungs- und Betriebsprozesse“ um einen Spagat aus Wissenschaft und Praxis bemüht war, vor fast 70 Zuhörern. „Bei der Planung der 3,7 Millionen Euro teuren Turnhalle in der 9.000-Einwohner-Gemeinde Zorneding in Oberbayern, die Eßig skizzierte, habe es von der Meinungsfindung bis zum Bau 20 Jahre gedauert – und auf Fördermittel hätten die Protagonisten „bewusst verzichtet“. Ans Herz legte die Fränkin dem Plenum unter anderem eine Thermische Gebäudesimulation. Zudem sollte die Innenraumluftqualität stimmen. Alles Dinge, um die man sich rechtzeitig kümmern müsse. Genauso wie um eine fundierte Analyse der Lebenszykluskosten. In den Niederlanden würden die Fachplaner Turnhallen bereits im Vorfeld in 3D quasi fix und fertig aufbauen. „Eine Passivbauweise ist ein toller Ansatz“, betonte die Expertin für Baukonstruktion und Bauklima. „Ich muss nur leider für den Sporthallenbau davon abraten.“ Dies rechne sich einfach nicht, urteilte die Architektin.

Die Vorzüge von Freiluft-Sporthallen erläuterte Andreas Kübler, Vertriebsleiter der McArena GmbH in Backnang – und sprach von einem „wirtschaftlichen Erfolgsmodell“. Von der Grünen Wiese bis zur fertigen Halle dauere es nur acht Wochen. Die Arena sei beim Bau wie Unterhalt günstig. „Die Gesamtbaukosten für eine Spielfeldgröße von 30x15 Metern liegen bei 300.000 Euro netto“, sagte Kübler. „Die Bauabläufe sind durch und durch standardisiert.“ Durch Namensrechte und Bandenwerbung könne man mit 10.000 bis 15.000 Euro an jährlich fließenden Marketingeinnahmen rechnen. Dazu könnten nach fünf Jahren bei einer Nutzungsdauer von fünf Stunden pro Tag und je 40 Euro pro Stunde an 360 Tagen im Jahr Einnahmen von 72.000 Euro kommen. Interessantes Detail war ein internetbasiertes Buchungs- und Bezahlsystem der McArena, für das Kübler warb.

Von der Vision einer multifunktionalen Infrastruktur zu einer nachhaltig ausgerichteten Sportanlage für Leistungs- und Freizeitsportler berichtete Ralf Pahlsmeier, Geschäftsführer des gemeinnützigen Ahorn-Sportparks in Paderborn, der von Moderator Dieter Krieger als gelernter Bankkaufmann und Betriebswirt vorgestellt wurde. Ein 1.500 Meter großer Fitness- und Bewegungsparcours sei eine der jüngsten Errungenschaften des Parks, der an 320 Tagen im Jahr geöffnet ist und mit 360.000 Euro im Jahr von der Stadt Paderborn gefördert wird. 30 Sportvereine und gemeinnützige Organisationen füllten das Areal, in den die Landesleistungsstützpunkte für Baseball, Leichtathletik und Squash integriert sind, mit Leben. Auch für Nicht-Vereinsmitglieder gebe es diverse Sportmöglichkeiten – alles kostenlos. „Mindestens 70 Prozent der Nutzer sind nicht organisiert“, verriet Pahlsmeier, der sich als „Kind des Vereinssports“ bezeichnete und 24 Mitarbeiter beschäftigt. „Wir versuchen unseren Nutzern klarzumachen, dass das unser Wohnzimmer ist – und haben eine Wohnzimmer-Atmosphäre geschaffen. Was nichts kostet, ist nichts wert – dieser Spruch gilt bei uns nicht.“ 2017 freue man sich über 500.000 Nutzer.

Zu Beginn hatte Stefan Henn, Leiter des Instituts für Sportstättenentwicklung an der Europäische Sportakademie Trier, dargelegt, dass etwa für den Seniorensport nicht immer gleich eine neue oder große Halle gefragt sei. Auch ein einzelner großer Raum könne schon Hilfe schaffen – und vor hohen Investitionssummen schützen. Sanierungsstaus seien zwar alltäglich. Ziel müsse es sein, das vorhandene Geld effektiv einzusetzen und die Träger zu beraten, wo sie den größten Nutzen erhalten.