Klare Regeln und keine Privatgeschenke

Aktionstag „Gegen Gewalt und Missbrauch im Sport“ in Mainz greift auch Thema Mobbing auf

Stolz auf ihre Urkunden: Die Teilnehmer des Selbstbehauptungstrainings mit Respekttrainer George Ford (rotes T-Shirt). Foto: Sportbund RheinhessenAusgebucht war der Aktionstag „Gegen Gewalt und Missbrauch im Sport“, zu dem der Landessportbund und der Sportbund Rheinhessen in enger Kooperation mit dem Mombacher Turnverein  geladen hatte. Die knapp 80 Teilnehmer verteilten sich auf drei Workshops.

„Sport zählt nach wie vor zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten von Kindern und Jugendlichen“, weiß Oliver Kalb, LSB-Referent für Sportentwicklung und Initiator des Tages. „Sportvereine stehen deshalb in der großen Verantwortung, das Wohl der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen bestmöglich zu schützen.“ Zur Vorbereitung darauf hatte der Aktionstag zwei aktuelle, gesellschaftlich relevanten Themen aufgegriffen: Die Ausgrenzung durch Mobbing und der Schutz vor sexueller Gewalt.

„Dass sich die Teilnehmer diesen beiden wichtigen Themen gestellt haben, war besonders erfreulich“, resümierte Kalb. „Da ist schon eine gewisse Sensibilität bei den Vereinsvertretern vorhanden.“ Positiv zudem: Eine große Anzahl der Ehrenamtler signalisierte bereits, diese Themen in ihre Vereine tragen zu wollen und dort präventive Maßnahmen zu ergreifen. So ist es etwa denkbar, einen festen Ansprechpartner zum Thema im Verein zu installieren. Klare Regeln für den Umgang mit Kindern und Jugendlichen sollten schriftlich fixiert werden. „Dass zum Beispiel keine Privatgeschenke an Kinder erlaubt sind“, erläuterte Kalb, der zudem klare Regeln rund um Umkleide und Dusche propagierte: „Dass man als Trainer nicht einfach ohne anzuklopfen die Umkleidekabine betrifft, um dort etwa für Ruhe zu sorgen.“ Das Schamgefühl der jungen Sportler müsse selbstverständlich respektiert werden. In eine Mädchenumkleide sollte ein Trainer nach Möglichkeit seine Trainerkollegin schicken. Erstmals griffen die Veranstalter im Rahmen des Aktionstages auch das Thema Mobbing auf. „Ein Sportverein bildet ja immer auch einen Querschnitt der Gesellschaft ab“, so Kalb. „Das heißt, wenn Kinder in der Schule gemobbt werden, kann das auch im Sportverein vorkommen.“

Sehr zufrieden äußerte sich der Experte mit dem Referentenpool. „Das waren alles ausgewiesene Experten auf ihrem Gebiet“, sagte Kalb. Diplom-Sportwissenschaftlerin Meike Schröer, die als Mediatorin, Trainerin und systematischer Coach arbeitet, berät seit vielen Jahren Sportorganisationen und kirchliche Einrichtungen rund um den Themenkomplex der sexuellen Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen. „Eine bundesweit anerkannte Expertin“, freute sich Kalb. Familientherapeutin Anna Hallerbach und Diplom-Pädagogin Jennifer Kohl etablieren hauptamtlich eine Projektstelle zum Thema Mobbing für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sowie deren soziales Umfeld im Raum Koblenz.

„Mit dem Aktionstag haben wir uns nicht nur an interessierte Vereinsvertreter gewandt“, stellte Oliver Kalb klar. Ganz konkret erhielten 20 Kinder die Möglichkeit, an einem Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungstraining mit George Ford, Geschäftsführer der gleichnamigen Akademie mit Sitz in der Mainzer Neustadt und in Frankfurt, mit dem der LSB seit 15 Jahren zusammenarbeitet. Übrigens: Im kommenden Jahr können sich die rheinland-pfälzischen Vereinsvertreter auf ein neues Format freuen. Dann findet nämlich zum ersten Mal kein Aktionstag, sondern eine komplette Themenwoche statt, in der von 15. bis 19. Oktober in Mainz gewaltpräventive Aspekte aufgegriffen werden. Ziel wird es dann sein, Interessierte aus dem Sport über täglich stattfindende Aktionen, Vorträge und Workshops für dieses so wichtige Thema zu sensibilisieren.