„Die Kinder bauen jetzt weniger Mist“

LSB-Sportjugend bildet an Konzer Realschule 32 Schülerassistenten aus / „Sport kontra Gewalt“

Abwechslungsreich: Die Hockey-Schnupperstunde bei Olympiasiegerin Natascha Keller werden die von der Sportjugend ausgebildeten Schülerassistenten so schnell nicht vergessen. Foto: M. HeinzeGewaltprävention und Sport sind ein formidables Team: Das zeigt die Sportjugend des Landessportbundes dieser Tage bei ihrer 90. Schülerassistenten-Ausbildung in Konz bei Trier, bei der am 21. Oktober auch Respekttrainer George Ford aus der Mainzer Neustadt und Hockey-Olympiasiegerin Natascha Keller mitwirkten. 32 Jungen und Mädchen der gastgebenden Realschule plus sowie von Grundschulen, Förderschulen und Gymnasien aus der Region wollten beim dem von der Deutschen Bahn gesponserten Projekt dabei sein.

Insgesamt hat die LSB-Sportjugend seit 1997 mit Unterstützung des Bildungsministeriums und der Unfallkasse 3.300 Schülerassistenten an 500 Schulen ausgebildet. Sie sollen für sportliche Abwechslung auf dem Schulhof sorgen. Mit ihren Bewegungsangeboten an ihre Peers aus der Sportjugend-Spielekiste tragen sie dazu bei, Gewalt und Unfälle auf dem Schulhof signifikant zu reduzieren. Dem Schulklima tut das richtig gut. George Ford, Experte für Konfliktbewältigung, vermittelte den Heranwachsenden das Wissen äußerst praxisnah. Der fast zwei Meter große und mal bestimmt über 100 Kilo schwere Coach mit dem roten XXL-Hemd scheute sich dabei nicht, mit den Protagonisten in den grünen T-Shirts am Boden wild zu raufen. Einer gegen 32. Ford weiß, dass Raufereien in der Schule immer wieder passieren. Wie sie sich bei solchen und anderen Auseinandersetzungen verhalten sollen, das erfuhren die angehenden Schüler-Assistenten bei dem Deeskalationstraining. „Die Schüler haben gelernt, selbstbewusster, klarer und offener zu sein in Konfliktsituationen“, sagte Ford im Gespräch mit dem SWR, der ein dreiköpfiges Team entsandt hatte und im Fernsehen über den Tag berichtete.

Genial wäre es, wenn es erst gar nicht zu Zwistigkeiten kommt. Sportive Angebote in der so genannten „bewegten Pause“ sollen für den nötigen Ausgleich sorgen. Zum Beispiel Hockey. Mit prominenter Unterstützung von Olympiasiegerin Natascha Keller, die mit der Nationalmannschaft 2004 in Athen Gold holte, lernten die angehenden Schülerassistenten wertvolle Tricks beim Umgang mit der Kugel und dem hölzernen Krummstab. „Es ist eine tolle Geschichte, wenn man Kindern und Jugendlichen zeigt, welche verschiedenen Möglichkeiten es gibt, in Bewegung zu kommen“, schwärmte die inzwischen 40 Jahre alte Keller, die sportliches Multitalent gilt und etwa auch im Tennis sehr begabt war.

Sport kontra Gewalt. Von diesem Konzept profitieren Lehrer wie Schüler gleichermaßen. „Wenn sich die Schüler in unserer Mittagspause ganz viel bewegen, kommt es weniger zu Streit“, konstatiert Lehrerin Martina Otto, die das Projekt vor drei Jahren an der Konzer Realschule plus installiert hat. „Der Kopf wird durchgepustet. Durch diese ausgiebige Bewegung haben wir auch viel weniger Unfälle und Gewalt auf dem Schulhof. Und die Kinder sind viel entspannter im Nachmittagsunterricht, wenn sie sich zuvor ordentlich bewegt und ausgepowert haben.“ Acht Schülerassistenten verrichten bisher schon ihren Dienst an Ottos Schule. Künftig werden es nun 15 sein. „Sie lernen, mit schwierigen Situationen umzugehen, sich selbst zu organisieren und im Team zu arbeiten“, freut sich die Pädagogin. „So werden ihre Persönlichkeiten gefördert.“

„Es macht Spaß, mit anderen Kindern zu arbeiten und ihnen beizubringen, dass Gewalt nicht immer eine Lösung ist“, findet Konstantin Nelles (13) aus der 8a der Realschule Konz, der schon seit einem Jahr als Schülerassistent fungiert. „Gewalt gibt es an unsere Schule zwar immer noch – aber sie ist weniger geworden.“ Das sieht auch Celina Lambert aus der 9c so. „Wir leihen auf dem Schulhof Spielgeräte aus“, sagt das Mädchen, das seit zwei Jahre dabei ist. „Dadurch sind die Kinder beschäftigt, langweilen sich nicht mehr so viel – somit bauen sie weniger Mist.“ Die 14-Jährige wörtlich: „Früher waren die Mittagspausen ganz schlimm, die Kinder haben sich gegenseitig aufgehetzt. Jetzt ist alles viel ruhiger und entspannter – die Schüler werden immer mehr zu Teamplayern.“

Dass Gewaltprävention und Sport ein kongeniales Duo sind, kann Dr. Ohle Wrogemann bestätigen. „Ein Großteil der Schüler, die wir zu Schülerassistenten ausbilden, ist noch nicht Mitglied in einem Verein“, betont der promovierte Sportwissenschaftler, der bei der LSB-Sportjugend als Referent für soziale Initiativen, Jugendpolitik, Aus- und Fortbildung sowie Ferien am Ort arbeitet und die Ausbildung der Schülerassistenten federführend organsiert. „Von uns werden sie für das ehrenamtliche Engagement mit Bewegung und Sport sensibilisiert. So werden die Grundlagen für ein ehrenamtliches Engagement im Sportverein gelegt, von dem später auch die Vereine profitieren.“ Konstantin, Celina und Co. sind laut Wrogemann Vorbilder für andere Schüler – „quasi wie ein Übungsleiter im Sportverein“.