„Es sind zu wenig Landesmittel im System“

LSB-Infotag „Sportstättenförderung in Rheinland-Pfalz“ in Alzey stößt auf großes Interesse

Die Protagonisten des LSB-Infotags in Alzey (v.l.): Dieter Krieger (LSB-Vizepräsident), Thomas Schramm (Sportbund Pfalz), Angelika Speicher (Innenministerium RLP), Andreas Klages (DOSB), Joachim Friedsam (Sportbund Rheinhessen), Prof. Dr. Gunnar Schwarting (Vorsitzender LSB-AK Sport und Kommune) und Stefan Henn (ISE). Foto: M. HeinzeIn Deutschland werden die Sportstätten auf Verschleiß gefahren. Und Rheinland-Pfalz bildet da keine Ausnahme. Das betonte Andreas Klages, Ressortleiter Sportstätten beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), beim Infotag unter dem Motto „Sportstättenförderung in Rheinland-Pfalz – Möglichkeiten und Verfahren“, zu dem der Landessportbund in Kooperation mit dem Institut für Sportstättenentwicklung (ISE), dem Landkreistag, dem Gemeinde- und Städtebund und dem Städtetag Rheinland-Pfalz in die Kreisverwaltung Alzey-Worms nach Alzey geladen hatte.

Klages sprach vor fast 100 Zuhörern von der Sportstättenförderung als einem „zentralen Thema, um das es nicht so wirklich gut bestellt ist“. Der LSB Rheinland-Pfalz sei „bundesweit weit vorne, wenn es darum geht, einen Überblick zu schaffen, Transparenz herzustellen und Anregungen zu geben. „Das Land Rheinland-Pfalz ist bei der Sportstättenförderung schon relativ nah an einer guten Situation“, urteilte der Experte. Das ISE als Beratungseinrichtung werde zunehmend bundesweit beachtet. „Was Rheinland-Pfalz negativ von anderen Bundesländern abhebt – es ist zu wenig Geld, es sind zu wenig Landesmittel im System.“ Zuständig für die Sportstättenförderung seien „vor allem die Länderebene und die Kommunen“.

Laut Klages übernehmen Sportvereine immer mehr Verantwortung für Sportstätten. In Rheinland-Pfalz gebe es rund 20.000 Sportstätten – in ganz Deutschland sind es 230.000, davon allein 36.000 Sporthallen. Wie hoch der Sanierungsstau zwischen Westerwald, Eifel und Südpfalz ist, darüber konnte Klages nichts sagen. Auf Bundesebene beläuft sich der Sanierungs- und Investitionsstau jedenfalls auf 35 bis 42 Milliarden Euro. „Wir haben also weniger ein quantitatives als vielmehr ein qualitatives Problem.“ 70 Prozent der Sportstätten im Osten und 34 Prozent im Westen sind demnach sanierungsbedürftig. Und seit der letzten Sportstättenstatistik auf Bundesebene 2000/2002 habe sich die Lage weiter verschlechtert. In den meisten Fällen sei es nicht so, dass die Politiker Sportstätten nicht fördern wollten – es fehle aber das Geld. Stichwort: Strukturelle Unterfinanzierung der Kommunen.

Der DOSB mache sich für ein Sportstättenförderprogramm des Bundes in Höhe von 500 Millionen Euro pro Jahr stark. Wobei der Bund hier „im engeren Sinne keine Kompetenz“ habe. „Es ist vor allem ein politisches Thema“, so Klages. „Auch wenn zu wenig Geld im System ist, geht mehr, als man denkt.“ Informationen einzuholen, das lohne sich – für die Kommunen als Antragsteller,  aber auch für die Vereine.

Während Angelika Speicher vom Ministerium des Innern und für Sport über Möglichkeiten und Programme auf Landesebene informierte, skizzierten Joachim Friedsam (Sportbund Rheinhessen) und Thomas Schramm (Sportbund Pfalz) die Möglichkeiten und Programme des organisierten Sports. „Die Vereine in Rheinland-Pfalz sind unmittelbare Mitglieder bei den Sportbünden“, sagte Friedsam. „Und die Sportbünde kennen die Verhältnisse vor Ort relativ dezidiert.“ Für kleine Baumaßnahmen mit einem Gesamtvolumen bis zu 10.500 Euro sei der jeweilige regionale Sportbund zuständig. Anträge könne man auf der Homepage des jeweiligen Sportbundes herunterladen und dann einzureichen. Über den Zuschuss entscheide der Geschäftsführer bzw. das Präsidium nach Stellungnahme der Sportkreisvorsitzenden. Friedsam sprach von einem „Programm, das sich relativ gut handeln lässt“. Bei Baumaßnahmen bis 75.000 Euro stelle man den Antrag ebenfalls über die regionalen Sportbünde. Die Bewilligung erfolge hier allerdings durch Sportministerium und LSB. Abgewickelt werde das Verfahren für den Verein „vollständig über den eigenen regionalen Sportbund“. Er betonte die Kompetenzen der eingeschalteten Sportkreisvorsitzenden und der Sportstättenbeiräte vor Ort – beste Voraussetzungen für gerechte Verfahren. Bewilligt und zugewiesen würden die Mittel über LSB und Sportministerium nach Eingang der vollständigen Unterlagen.