Sportvereine – modern und stabil in unruhiger Zeit

Sportentwicklungsbericht: Wissenschaftliche Politikberatung in bewährter Qualität / Siebte SEB-Welle startet im Herbst

Hauptsorge der Sportvereine bleibt die sinkende Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement, wie es etwa Hansi Werner junior von der Tennisabteilung der SVW Mainz in vorbildhafter Weise an den Tag legt. Foto: LSB-Archiv/M. Heinze Die deutschen Sportvereine leisten für ihre Mitglieder und die Gesellschaft unverändert wertvolle Arbeit, haben jedoch weiterhin vielfältige Anforderungen zu bewältigen. Dies ist eine der Erkenntnisse des Sportentwicklungsberichtes (SEB) 2015/2016, den Prof. Dr. Christoph Breuer und Svenja Feiler von der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) am Dienstag vorgelegt haben. Die mehr als 800 Seiten starke Studie wurde vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp), dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und den Landessportbünden in Auftrag gegeben. Zusätzlich werden in einem zweiten Band auf rund 650 Seiten weiterführende Analysen präsentiert. Die Daten des SEB 2015/2016 wurden mithilfe einer Online-Befragung im Herbst 2015 gewonnen, an der sich erneut mehr als 20.000 Sportvereine in Deutschland beteiligt haben. Im Herbst 2017 startet die siebte Welle des Sportentwicklungsberichts, der Befragungszeitraum ist von Mitte Oktober bis Mitte Dezember 2017 geplant. Der daraus resultierende Bericht wird einen noch besseren Einblick in die Entwicklung der Sportvereine im Land geben.

Alle rheinland-pfälzischen Vereine werden rechtzeitig per E-Mail von Prof. Dr. Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule Köln angeschrieben, der die Vereine bittet, sich an der bundesweiten Vereinsuntersuchung im Rahmen des Sportentwicklungsberichts 2017/2018 für Deutschland und auch für Rheinland-Pfalz zu beteiligen. „Im Namen des Landessportbundes Rheinland-Pfalz möchten wir Sie bitten, sich an dieser für die weitere Vereinsentwicklung wichtigen Untersuchung zu beteiligen“, sagt LSB-Präsidentin Karin Augustin. „Zum einen sind die Ergebnisse zu den Leistungen der Sportvereine für die Gesellschaft von hoher Bedeutung, um die politische Interessenvertretung für die Sportvereine mit Fakten unterlegen zu können. Zum anderen erhalten wir aus der Analyse der aktuellen Unterstützungsbedarfe zahlreiche Informationen für die Verbesserung unseres Angebots für die Vereine. Die Untersuchung liegt somit maßgeblich auch in Ihrem Interesse.“ In den vergangenen Jahren hatte sich stets eine sehr hohe Zahl von Sportvereinen bundesweit an dieser Studie beteiligt, zuletzt mehr als 20.000 Vereine. „Es würde uns sehr freuen, wenn es uns gelänge, diese außerordentlich hohe Beteiligung erneut zu übertreffen“, so Augustin. Der nächste Bericht für Rheinland-Pfalz wird dann im Herbst 2018 erwartet.

Laut der aktuellen Studie sind die rund 90.000 Sportvereine unter dem Dach des DOSB mit großem Abstand Deutschlands Sportanbieter Nummer eins und spielen überdies eine wichtige Rolle in der Bewältigung von gesellschaftlichen Herausforderungen. Sie erweisen sich nach wie vor als anpassungsfähige Organisationen in einer sich immer schneller wandelnden Gesellschaft. Dabei ist die gemeinwohlorientierte Grundausrichtung der Sportvereine ungebrochen gegeben: Sie bekennen sich weiterhin in hohem Maße zur Wertevermittlung, zu einem preisgünstigen Angebot sowie zu gleichberechtigter Partizipation.

„Sport ist die größte Bürgerbewegung“
„Der Sport in Deutschland ist mit seinen vielfältigen Beiträgen zum Gemeinwohl und mit 27,5 Millionen Mitgliedschaften die größte Bürgerbewegung in unserem Land. Die Sportvereine bilden mit ihren ebenso nachhaltigen wie zahlreichen gesellschaftspolitischen Beiträgen zweifellos das enorm wertvolle und stabile Rückgrat von Sportdeutschland“, so DOSB-Präsident Alfons Hörmann.

Gleichwohl weist der Sportentwicklungsbericht auch auf die Problemlagen der Vereine hin: Von mangelnder Verfügbarkeit sowie zum Teil besorgniserregender Zustände von Sportanlagen sind insbesondere die Mitglieder größerer Sportvereine betroffen. Die Einführung des Mindestlohns bereitet immerhin sechs Prozent der Vereine größere Probleme. „Hauptsorge der Sportvereine bleibt aber ganz klar die sinkende Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement. Zwar liegen keine signifikanten Veränderungen der Anzahl an Engagierten in formalen Positionen auf der Vorstands- oder Ausführungsebene (z.B. Schiedsrichter, Übungsleiter) vor, doch hat sich das wahrgenommene Problem, ehrenamtliche Funktionsträger zu gewinnen bzw. binden, weiter verschärft. Zudem ist die Anzahl freiwilliger Helfer in den Vereinen leicht rückläufig“, so die SEB-Autoren.

„Pfeiler der Sportvereinsforschung“
Der Sportentwicklungsbericht hat sich in den letzten Jahren als das Instrument der wissenschaftlichen Sportpolitikberatung etabliert. „Schon allein, dass der SEB als Gesamtbericht nun zum sechsten Mal vorgelegt wird, unterstreicht, dass er zu einem Pfeiler der Sportvereinsforschung geworden und aus der Sportpolitik- und Sportpraxisberatung nicht mehr wegzudenken ist“, so BISp-Direktor Jürgen Fischer. Erneut haben einige Spitzenverbände (Deutscher Fußball-Bund, Deutsche Reiterliche Vereinigung, sieben im Forum Wassersport organisierte Wassersportverbände) im Rahmen dieser sechsten Ausgabe Sonderauswertungen in Auftrag gegeben, um verbandsspezifische Entwicklungen wissensbasiert zu analysieren.

Im Rahmen des „SEB 3.0“ sind in den nächsten neun Jahren umfangreiche Änderungen am Projektdesign vorgesehen: Unter anderem wird die Vereinsbefragung von einem Zwei- auf einen Drei-Jahres-Turnus umgestellt; ergänzend sollen Stakeholderbefragungen konzipiert und durchgeführt werden, um über die Vereinsperspektive hinaus wertvolle Informationen zur Situation deutscher Sportvereine zu gewinnen. Ein „Einstieg“ in diesen zusätzlichen Befragungstypus im „SEB“-Rahmen ist bereits im jetzt vorliegenden Band II des „SEB 2015/2016“ zur Thematik „Kampf- und Schiedsrichter“ zu finden.

Weitere Infos und Downloadmöglichkeiten unter www.dosb.de/seb. Alle Veröffentlichungen des Sportentwicklungsberichts können über den Sportverlag Strauß (www.sportverlag-strauss.de) bezogen werden.