„Sport treiben und einander kennenlernen“

Beim deutsch-tunesischen Freundschaftslauf in Mainz steht die Völkerverständigung im Mittelpunkt

Fokussiert: Die Protagonisten beim deutsch-tunesischen Freundschaftslauf legten sich mächtig ins Zeug. Foto: M. HeinzeÜber den Besuch einer Sportdelegation aus dem tunesischen Nabeul freuen sich der Landessportbund Rheinland-Pfalz und der TSV SCHOTT Mainz. Die zwölfköpfige Delegation aus Nabeul hält sich eine Woche lang in der Landeshauptstadt auf. Zu den Highlights der Visite zählte die Teilnahme junger tunesischer Leichtathleten beim Deutsch-Tunesischen Freundschaftslauf auf der Mombacher Bezirkssportanlage.

„Diese Freundschaftsläufe haben bis jetzt lediglich in Tunesien stattgefunden“, erläuterte Daniel Mouret, LSB-Referent für Internationales. „Im vergangenen Jahr fand der Lauf erstmals in Mainz statt – in Kooperation mit dem TSV SCHOTT und dem Partnerverein aus Nabeul.“ Laut Mouret sollen ab dem Jahr 2018 – dann feiert die Sportpartnerschaft mit Tunesien ihr 50-jähriges Jubiläum – die Läufe abwechselnd in Tunesien und Mainz stattfinden. Zunächst 2018 in Tunesien und 2019 in Mainz.

Der tunesischen Delegation gehören neben acht Leichtathleten bzw. Trainern auch vier Offizielle unter Leitung von Fatma Rouissi an. Die Tunesier nehmen nun noch an einem Ausbildungsseminar rund ums Thema „Sport und interkulturelles Lernen“ im Haus des Sports in Mainz teil. Am Montag stattet der tunesische Generalkonsul Ahmed Chafra dem LSB dort einen Besuch ab. „Dabei wollen wir unter anderem die laufenden Projekte besprechen und die Planungen für das nächste Jahr vorantreiben“, erläutert Mouret.

In Mombach begaben sich die Läufer – darunter neben den Tunesiern auch über 30 Flüchtlinge sowie zahlreiche Leichtathleten des TSV SCHOTT Mainz – über drei Distanzen auf die Strecke. Die Protagonisten konnten zwischen 800, 1600 und 3200 Metern wählen. Auch wenn es natürlich nicht in erster Linie um schnelle Zeiten und knallharten Wettkampf ging, sondern um die Völkerverständigung, so legten sich die jungen Leute doch mächtig ins Zeug. Nicht wenige verausgabten sich so, dass sie nach Überqueren der Ziellinie erst einmal zu Boden sanken und zwei, drei Minuten zur Regeneration benötigten. Dann aber wurden sogleich die Konkurrenten abgeklatscht und man freute sich gemeinsam, die Distanz erfolgreich bewältigt zu haben.

Aufmerksamer Beobachter am Rand der Strecke war Helmut Loenenbach, Leiter des LSB-Arbeitskreises für Internationale Fragen. „Diese Osterläufe haben eine große und lange Tradition“, freute sich der ehemalige Schulleiter und passionierte Tennisspieler. „Sie sind die Kernstücke dieser Begegnung. Das Tolle dabei ist, dass die Jugendlichen zusammen Sport treiben, zusammen leben und einander kennenlernen.“ Und dies sei noch niemals so wichtig gewesen wie in diesen Zeiten, wo überall die Populisten ihre Parolen ausriefen. „Da ist die Jugend gefragt, ein besseres Beispiel abzugeben, wie man mit Fremden umgehen kann“, betonte Loenenbach. „Was mich besonders freut ist, dass auch wieder Flüchtlinge teilgenommen haben, die hier ein gutes Leben suchen, dass wir versuchen, ihnen zu ermöglichen.“ Diese Menschen könnten später einmal „die besten Botschafter für Deutschland werden“.

Loenenbach hofft, dass er viele der Sportler nächstes Jahr in Tunesien wieder sieht. „Die Tunesier warten auf uns – das weiß ich“, sagte der weit gereiste LSB-Funktionär, dem eines am Herzen liegt: „Man müsste auch vielen Eltern mitteilen, dass es ein Aufenthalt ihrer Kinder in Tunesien ohne Gefahr möglich ist. Denn wir werden bei unserer Partnerschaftsbegegnung so gut begleitet und die Tunesier passen so gut auf uns auf, dass man wirklich keine Angst haben muss, dort zu laufen.“