„Die Vereine müssen kreativ sein“

Forum „Ergebnisse vom Sportentwicklungsplanung nutzbar machen“ in Trier

Kundiges Publikum (vordere Reihe v.l.): Alfred Hofmann (Sportkreisvorsitzender Neuwied), Albert Kram (TuS Montabaur) und Ursula Radwan (Beigeordnete der Stadt Wörth). Foto: M. HeinzeKommunikation ist der Schlüssel für eine kooperative und nachhaltige Sportentwicklungsplanung. Das machte Sebastian Schneider, Geschäftsführer des Instituts für Sportmanagement an der Hochschule Koblenz/RheinAhrCampus, beim Forum „Ergebnisse von Sportentwicklungsplanung nutzbar machen“ deutlich, zu dem der Landessportbund in Kooperation mit dem Städtetag, dem Gemeinde- und Städtebund sowie dem Landkreistag Rheinland-Pfalz und dem Institut für Sportstättenentwicklung (ISE) in die Europäische Akademie des Rheinland-Pfälzischen Sports nach Trier geladen hatte.

„Das Schlimmste, was ein Sportentwicklungsplan machen kann, ist, dass nicht kommuniziert wird“, betonte der Wissenschaftler, der selbst aus der Leichtathletik kommt und sich als „Vereinsmeier“ bezeichnete, vor gut 50 Zuhörern. „Die Planung darf nicht von oben aufgestülpt werden – sonst ist sie von vornherein mehr oder weniger zum Scheitern verurteilt.“ Damit Sportentwicklungsplanung funktioniert, sei Good Governance notwendig, im Klartext: Gutes Regieren. „Also nicht von oben herab regieren, sondern Bürger in politische Entscheidungen einbeziehen.“ Wichtig sei es, sämtliche „Anspruchsgruppen“ einzubinden, beispielsweise auch die Wirtschaft. Zudem müsse ein Sportentwicklungsplan „für die ganz Kleinen, aber auch die ganz Alten“ gemacht sein. „Sportentwicklungsplanung für einen speziellen Bereich ist immer sehr schwierig, denn irgendjemand wird sich auf die Füße getreten fühlen – da können Sie sicher sein“, so Schneider. Die Kommune müsse die vorliegenden Daten auch den Planern zugänglich machen. Notwendig seien darüber hinaus Offenheit und die Fähigkeit, unterschiedliche Meinungen zuzulassen. Last but not least komme es darauf an, dass ein Sportentwicklungsplan „zukunftsfähige Empfehlungen“ gebe – „man sollte keine Luftschlösser bauen.“

Auch wenn der Sport im Wandel begriffen sei und immer vielfältiger werde, so seien die Vereine nach wie eine wichtige Stütze. „Aber sie müssen heutzutage kreativ sein“, befand Schneider, der den Städten und Gemeinden „ein bewegungsfreundliches Wohnumfeld“ ans Herz legte, „wo man schnell einfach mal Sport machen kann“. Notwendig sei es, „eine Sportentwicklungsplanung anzubieten, die nahe an der Realität ist“. Ziel müsse es sein, „eine bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit Bewegungsräumen“ sicherzustellen. Sportbezogene Institutionen müssten eine rationale Entscheidungsgrundlage erhalten, Vereine Planungssicherheit. Alle Kräfte müssten gebündelt werden für eine langfristige und abgestimmte kommunale Planungsgrundlage. Auch der nicht organisierte Sport gehöre zu einer solchen Planung dazu.

Und welche Hürden für eine Sportentwicklungsplanung gibt es? Sportentwicklungsplanung könne keine politischen Entscheidungen aushebeln. Die Durchsetzung von Einzelinteressen und politischen Interessen kollidierten mit der Intention einer Sportentwicklungsplanung. Gefragt sei daher eine Versachlichung auf der Basis objektiver Kriterien. Stefan Henn, ISE-Trier Leiter, gewährte dem Plenum erste Einblicke in den digitalen Sportatlas Rheinland-Pfalz, der objektive Grundlagen und Daten zur Verfügung stellen soll, „um eine Sportentwicklungsplanung auch ohne große Mitwirkung von außen zu ermöglichen“. Wie man die Belegung von Hallen und Plätzen digital gestalten kann, führte Sebastian Pauli, Geschäftsführer der Firma „Geoinformatik“, den Zuhörern eindrucksvoll vor Augen. Die Arbeiten an dem, später individuell auf die jeweilige Kommune zugeschnittenen Modell digitaler Belegungsplanung, sind weit fortgeschritten.