Silvia Wenzel von der LSB-Koordinierungsstelle Inklusion im Interview

"Diese Resolution ist ein Meilenstein"

Bei der Digitalen Mitgliederversammlung des Landessportbundes am 11. Dezember in Mainz bildete sie nur eine Randnotiz – doch gerade für die RLP-Sportler*innen mit geistigen oder körperlichen Einschränkungen ist sie ein echter Meilenstein. Die Rede ist von der „Resolution Inklusion im und durch Sport“, die bei der virtuellen Zusammenkunft einstimmig verabschiedet wurde. Im Sinne der Förderung der Chancengleichheit von Menschen mit Behinderung haben die Delegierten alle Mitgliedsorganisationen aufgefordert, die Voraussetzungen für eine inklusive Sportlandschaft zu schaffen, damit Menschen mit Behinderungen nach ihrem freien Wunsch- und Wahlrecht Sport treiben und erleben können. SportInForm sprach mit Silvia Maria Wenzel von der LSB-Koordinierungsstelle Inklusion.

Frau Wenzel, warum war diese Resolution so notwendig – und welche Bedeutung messen Sie ihr bei?

2016 wurde die Steuerungsgruppe Inklusion gegründet. Ein Verbund aus vier Verbänden –Behinderten- und Rehabilitationssport-Verband, Gehörlosen-Sportverband, Special Olympics und Landessportbund RLP – die mit gemeinsamer Expertise und Maßnahmen Inklusion im Sport in Rheinland-Pfalz fördern. Mit der Verabschiedung der Resolution wurde ein weiterer Meilenstein gelegt, weil sie auch Vereine und Verbände auffordert, in ihren Strukturen die entsprechenden Rahmenbedingungen für einen inklusiven Sport zu schaffen.

Welche Auswirkungen erhoffen Sie sich von der Erklärung ganz konkret?

Wir erhoffen uns, dass Inklusion zunehmend flächendeckend gelebter Alltag wird. Hier besteht aktuell noch Verbesserungsbedarf im rheinland-pfälzischen Sport. Beispielhaft kann Inklusion als fester Bestandteil im Aus- und Fortbildungsbereich viel Positives bewirken, indem Übungsleiter*innen die Ängste und Barrieren im Umgang mit Menschen mit Behinderung genommen werden. Auch ist es hilfreich, Sportangebote in punkto Barrierefreiheit zu überprüfen – und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.

In der Resolution heißt es, dass eine Willkommenskultur gelebt werden soll, die von gegenseitigem Respekt, Anerkennung von Vielfalt und Wertschätzung der individuellen Potenziale jedes einzelnen Menschen geprägt sein soll. Sportler*innen mit Behinderungen sollen als genauso selbstverständlich im Vereins- und Verbandssport angesehen werden wie Sportler*innen ohne Behinderungen. Ist das denn noch nicht überall selbstverständlich?

Leider ist das noch gar nicht selbstverständlich. Immer wieder erleben wir, dass Menschen mit Behinderung die Teilnahme am Sport verwehrt wird. Nachdem viele Vereine ausprobiert wurden, kommt Frust auf und die Lust am Sport geht verloren. Das wollen und müssen wir vermeiden!

Welche rheinland-pfälzischen Sportvereine haben denn bereits inklusive Sportangebote – und worum handelt es sich dabei?

Die Bandbreite von inklusiven Sportangeboten ist sehr vielfältig. Leuchtturmprojekte sind zum Beispiel an der Mosel der TV Cochem mit einem inklusiven Lauf- und Walkingteam, in der Westpfalz der SV Spesbach im Bereich Fußball oder aber auch derzeit neu entstehende Angebote wie Sitzvolleyball in Burgbrohl im Landkreis Ahrweiler.

Welche Empfehlungen geben Sie Vereinen, die sich im Sinne der Resolution künftig auch (noch) inklusiver aufstellen wollen? Wie können diese in den Genuss finanzieller Fördermittel kommen und Unterstützung durch die Sport-Inklusionslots*innen erhalten?

Inklusion ist ein Prozess. Ich empfehle Vereinen, hier schrittweise vorzugehen. Dazu gehört zum Beispiel, dass eine Ansprechpartner*in für Inklusion benannt, die Thematik im Vorstand besprochen und Kontakt zu Experten aufgenommen wird. Gerne darf man sich für eine Beratung an mich wenden. Bei neuen inklusiven Sportprojekten gibt es die Möglichkeit, die INpuls-Prämie in Höhe von 500 Euro für Vereine und 1000 Euro für Verbände zu beantragen. Die insgesamt 14 Sport-Inklusionslots*innen in Rheinland-Pfalz begleiten die Vereine und Verbände gerne bei dem Prozess und stehen – ebenso wie die Behindertensportverbände – unterstützend beiseite.

Die Resolution Inklusion finden Sie hier.

Portrait Silvia Wenzel
Silvia Wenzel

Koordinierungsstelle Inklusion

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