Tennis: Bundestrainer Born referiert bei TVR-Mitgliederversammlung über Talententwicklung

Leisten eine Top-Arbeit beim TC Oberwerth: Vorsitzender Marc Börsch (Mitte) und sein Stellvertreter Lucas Bolten (l., mit DTB- und TVR-Präsident Ulrich Klaus). Foto: TVRTrotz winterlicher Verhältnisse war der DTB-Bundestrainer war aus Köln angereist und hielt bei der Mitgliederversammlung des Tennisverbandes Rheinland (TVR) sein spannendes Referat „Vom Talent zur Weltklasse“ vor einem kleinen Kreis interessierter Zuhörer. 381 Vereine mit 853 Stimmen waren eingeladen worden, nur 25 Vereine mit 83 Stimmen nebst Ehrenmitglieder (zwei Stimmen) kamen und bildeten den Rahmen der intimen Versammlung in der Aula des Gymnasiums auf der Koblenzer Karthause.

Ehe der Cheftrainer des Deutschen Tennis Bundes zu Wort kam, absolvierte Ulrich Klaus eine angenehme Pflicht. „Es ist nicht mehr so einfach, Ehrenamtler zu finden“, stellte er bei der Ehrung verdienter Vereinsvertreter fest. „Ohne sie würden weder Sport noch Gesellschaft funktionieren.“ Mit der Silbernen Ehrennadel des TVR ausgezeichnet wurden Norbert Strehle, Vorsitzender des TC 04 Metternich seit Vereinsgründung nach Fusion und Gerd Porz, seit nun bald 17 Jahren Vorsitzender des TC Nörtershausen-Udenhausen. Ebenfalls geehrt wurde der TC Oberwerth für die eindrucksvolle Steigerung der Mitgliederzahl von 242 im Jahr 2007 auf aktuell 444 (6,2 % Zuwachs von 2017 auf 2018). Und das in einer Zeitspanne, während der es einen durchschnittlichen Rückgang von 20 Prozent gab. Mittlerweile ist der TCO nach dem TC Trier zweitgrößter Tennisverein im Rheinland. Klaus lobte „Atmosphäre, Stimmung und Angebot“ bei den Koblenzern, für die der Vorsitzende Marc Börsch und sein Stellvertreter Lucas Bolten als Lohn für diese Leistung einen Karton Bälle entgegennahmen. Börsch schilderte die Entwicklung in dem Verein, der im Vorjahr 125 Jahre alt geworden ist. „Die Struktur stimmt, bei uns spielen 115 Kinder im Alter zwischen 7 und 14 Jahren“, so Börsch, der zusammen mit seinem Kompagnon bestes Beispiel für einen jungen Vorstand ist. Und noch einen wichtigen Hinweis gab er: Potentielle neue Mitglieder schauen sich erst mal auf dem Vereinsgelände um – das fängt bei den Toiletten an. Was ebenfalls für den TCO spricht: Das von den Oberwerthern ausgerichtete U12-Turnier „Koblenz Junior Open“ wurde von Tennis Europe bei einer Konkurrenz von 400 internationalen Tennis-Veranstaltungen zum besten Turnier 2017 gewählt. „Eine tolle Werbung, auch im Hinblick auf Sponsoren“, freute sich Turnierdirektor Bolten. 2018 wird das Open-Turnier zum neunten Mal vom TC Oberwerth ausgerichtet, und es werden wieder junge deutsche Spieler dabei sein, die Bundestrainer Born schon auf dem Schirm hat. Der erfahrene Cheftrainer, in Höhr-Grenzhausen geboren und dort zur Schule gegangen, lebt in Köln und ist und seit 26 Jahren beim DTB. Am Beispiel von Angelique Kerber und Sascha Zverev beschrieb er, wie sich ein Talent entwickelt. Das beginnt im Verein, „dort wird das Pflänzchen gesetzt“. Talent aber, worunter Born die genetische Disposition in Wechselwirkung mit soziokulturellen Einwirkungen durch Eltern, Freunde und Trainer sowie das Vereinsleben versteht, ist zu wenig: „Ohne Arbeit geht es nicht.“ Und der Wunsch nach höherer Trainingsintensität wie -qualität muss vom Spieler kommen. Es ist ein langwieriger Prozess der Förderung in mehreren Stufen, wobei die Basis, das heißt Motorik und Begeisterung für die neue Sportart, sowie die Grundlagen (Technik, Taktik, Wettkampf) in den Vereinsbereich fallen. Wenn man Weltklasse werden will, muss viel zusammenkommen, so das Fazit des Bundestrainers. Zum Schluss präsentierte Born seine Top Ten, die zum Erfolg führen: Talent, Grundlagen lernen, nur wenige Schwächen, der Wille, sich in jedem Training verbessern zu wollen, Selbstdisziplin, Selbstständigkeit, Erfahrung, Siegermentalität, Eltern einbeziehen, Umfeld inklusive Finanzen.

Um Geld ging es auch am Ende beim Kassenbericht von Schatzmeister Wolfgang Jung und seiner Aussage zum Haushaltsvoranschlag: „2018 wird nicht mehr so rosig aussehen.“ Dazu passte die bei zwei Enthaltungen einstimmig beschlossene Einführung eines Mindest-Mitgliedsbeitrages. Präsident Klaus, mit Blick auf die Inanspruchnahme der Rücklagen für den diesjährigen Haushalt: „Das ist eine neue Situation, mit der wir umgehen müssen.“ Bei der Mitgliederversammlung 2019 wird die Notwendigkeit einer „moderaten Beitragserhöhung“ Thema sein.