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Gut geführte Vereine finden leichter Ehrenamtliche

7. Ehrenamtsforum des LSB in Mainz mit wertvollen Impulsen für die Vereinsentwicklung

Kreativ: Die Ehrenamtler um Hartmut Schäfer, Präsident des Baseball-Bundesliga-Vereins Mainz Athletics (vorne links), beim Brainstorming an einem der Thementische. Foto: M. HeinzeZiele, Strategien, Einstellungen und Haltungen anderer Vereinsmitglieder verstehen, aufgreifen und zusammenführen können – das ist nur eine der Erwartungen, die an Vereinsvorstände gestellt werden. „Hier muss man Übersetzungen leisten“, machte Götz Hentschke, Berater und Trainer für Systemische Fortbildung, Projektleiter und Coach der Karlsruher Beratungsagentur Contract, in seinem Vortrag zum Thema „Führung im Ehrenamt“ beim 7. Ehrenamtsforum deutlich, zu dem der Landessportbund Rheinland-Pfalz (LSB) ins Konferenzzentrum der Verlagsgruppe Rhein Main nach Mainz geladen hatte.

Hentschke skizzierte die Erwartungen an das führende Ehrenamt und betonte, dass ehrenamtliche Mitarbeiter sich zugehörig fühlen, mitwirken wollen und an einem Dialog mit gegenseitigem Respekt interessiert seien. „Ein Dialog findet immer auf Augenhöhe statt“, schärfte der Organisationsberater und Personaltrainer dem Plenum ein. Wichtig sei es, den ehrenamtlichen Kollegen Zuwendung und Anerkennung zu geben und eine Art Fürsorge zu schaffen, so der erfahrene Personalcoach – und dabei gleichzeitig Ziele setzen, Aufgaben definieren und delegieren. Zuwendung sei eines der wesentlichen Grundbedürfnisse des Menschen. „Wir wollen wahrgenommen werden“, sagte Hentschke. Oft gehe es gar nicht darum, viel Zeit für ein Gespräch aufzuwenden – wohl aber qualitativ hochwertige Zeit. Laut Hentschke ist es „ein großer Vorteil, in seinem normalen Beruf Führungserfahrung gesammelt zu haben“.

Im Gespräch mit Moderator Dr. Daniel Illmer, stellvertretender Direktor der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), lieferten Vorsitzender Stefan Born vom 150 Mitglieder zählenden Verein für Hallenradsport Worms und Andreas Maurer von der Turngemeinde Gonsenheim Beispiele aus der Führungspraxis. „Es gibt genügend Freiräume und Spielwiesen, wo sich ein Ehrenamtlicher bei uns austoben kann“, sagte Maurer. „Bei uns ist immer eine offene Tür da, um Ideen einzubringen. Wenn man sich nicht öffnet und Ideen zulässt, geht das eine oder andere an einem vorbei.“ Der Chef des großen und traditionsreichen Stadtteilvereins beantwortete die Frage, ob gut strukturierte Vereine – mit einem ansprechenden Internet-Auftritt, tollem Sportangebot und reger Präsenz im gesellschaftlichen Leben des Orts – leichter Ehrenamtliche finden, eindeutig mit: Ja. Born verriet, wie er mit Checklisten und anderen festen Leitplanken die Hemmschwelle junger Leute reduziere, sodass sie bereit seien, „mal reinzuschnuppern in die Vorstandsarbeit“. Dass man alle Vorstandsämter lückenlos besetzt habe, liege auch daran, dass man geeignete Kandidaten persönlich anspreche. Den Verwaltungsaufwand versuche man dabei so gering wie möglich zu halten. Vorstandssitzungen seien straff organisiert, dürften maximal zweieinhalb Stunden dauern.

Vor fast 100 Zuhörern – darunter 51 Vorstandsmitglieder rheinland-pfälzischer Vereine und Verbände sowie hochrangige Gäste aus Wirtschaft und Politik – hatte Petra Regelin, LSB-Vizepräsidentin Bildung, gleich zu Beginn deutlich gemacht, dass im rheinland-pfälzischen Sport insgesamt 1,6 Millionen Stunden pro Monat an ehrenamtlicher Arbeit geleistet werden. „Das ist riesengroß, das ist gigantisch, das ist immens“, schwärmte Regelin. „Wir sind mit Abstand die größte Personenvereinigung in Rheinland-Pfalz.“ Dennoch sei nicht alles nur toll und rosarot. Die sogenannte Engagementquote im Sport sei von 1999 über 2004 bis zum Jahr 2009 deutlich zurückgegangen – von 38 auf unter 34 Prozent. „Keiner will mehr Chef sein“, brachte es Regelin auf den Punkt. „Die Verantwortung, die wir als Führungskraft zu tragen haben, um das Sportangebot im Land aufrecht zu erhalten, wird auf immer weniger Schultern verteilt.“ Bei den 15- bis 35-Jährigen sinke die Engagementquote besonders stark. Nicht nur in Rheinland-Pfalz, sondern in ganz Deutschland. Diese hoch gebildete „Generation Y“, deren Mitglieder häufig „eine eingebaute Burnout-Sperre“ hätten, gelte es zu motivieren, Verantwortung im Sport zu übernehmen.

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